Wenn wir uns zärtlich küssen, fühlen wir uns aufs engste verbunden.

tiefe Verbundenheit, glückliche Beziehungen

Die Bedeutung emotionaler Nähe

Was ist emotionale Nähe und tiefe Verbundenheit? Der Kitt einer Beziehung zwischen Mann und Frau? Menschen überhaupt? Welche Synonyme gibt es? Bedeutung und Definition.

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Was ist emotionale Nähe eigentlich?

Vielen Menschen verstehen unter emotionaler Nähe und tiefer Verbundenheit das gleiche. Bei genauer Betrachtung aber assoziiert man mit dem Begriff der Nähe schnell körperliche Nähe.

Synonyme wie Verbundenheit oder emotionale Bindung lassen uns eher an eine gefühlte Verbindung zwischen zwei oder Menschen denken.

Tiefe Verbundenheit ist der Kitt einer Beziehung. Wer sich nicht mit einem anderen Menschen verbunden fühlt, der handelt weniger verbindlich.

Die Bedeutung emotionaler Nähe

In der Psychologie hat die emotionale Nähe gerade auf der Beziehungsebene eine große Bedeutung. Laut Sigmund Freud trägt sie – neben dem Vertrauen, den gemeinsamen Werten, geteilten Ängsten und Wünschen – zu über 80 Prozent zum Gelingen von partnerschaftlicher Kommunikation bei.

Auch ohne dieses Wissen hat wohl jeder von uns diese Erfahrung am eigenen Leib gemacht. Innige Verbundenheit auf verschiedenen Ebenen ist existenziell für die seelische Gesundheit jedes einzelnen. Und auch für die Gestaltung einer glücklichen Beziehung.

Der Unterschied zwischen körperlicher, intellektueller und spiritueller Nähe ist Thema des nächsten Absatzes über emotionale Nähe und Liebe.

Tiefe Verbundenheit und Liebe

Nach dem Verständnis der meisten Menschen unseres Kulturkreises ist Liebe die Bezeichnung für ein starkes Gefühl. Verbunden mit der Haltung inniger und tief empfundener Bindung zu einer oder mehreren Personen. Einer Haltung, die über den „Nutzen“ einer zwischenmenschlichen Beziehung hinausgeht.

Liebe als Gefühl drückt am unmittelbarsten die Verbindung zu einem Menschen oder auch einem Gegenstand aus.

Liebe braucht echte Nähe, und sie entfaltet sich auf vier unterschiedlichen Ebenen: die körperliche, die emotionale, die intellektuelle und spirituelle Ebene.

„Nicht für jeden sind alle Ebenen gleich wichtig“, sagt Dr. Stefan Woinoff, Psychotherapeut und Beziehungsexperte vom Datingportal Zweisam. Mit dem Alter ändern sich die Bedeutungsschwerpunkte: „Während Sinnlichkeit und Emotionalität in der Jugend einen höheren Stellenwert genießen, legen viele Menschen in reiferen Jahren mehr Wert auf geistigen und auch spirituellen Austausch.“

Emotionale Nähe

Emotionale Nähe ist in einer Liebesbeziehung wie ein Nest, in das wir uns legen können. Man hat das Gefühl, endlich verstanden zu werden. Der ein oder andere fühlt sich in seiner ganzen Individualität „entdeckt“ und gleichzeitig wächst die Bereitschaft, sein Leben zu teilen.

Die Partner begegnen sich auf Augenhöhe jenseits sonstiger sozialer Hackordnungen, in denen sie leben. Die emotionale Nähe mit dem geliebten Menschen nährt unsere Seele.

Körperliche Nähe

In einer Verliebtheitsphase wird aus emotionaler Nähe schnell körperliche. Wir kennen viele Möglichkeiten, uns zu berühren, und die Übergänge zwischen den einzelnen Formen sind fließend. Berührungen gehören auch zu einer guten Freundschaft.

Gute Freunde werden kurz umarmt, zur Begrüßung gibt’s ein Küsschen auf die Wange. Dauert die Berührung länger wie beim Händchenhalten oder Kuscheln, fühlt es sich gleich nach mehr an. Der Austausch von Zärtlichkeit ist ein Privileg verliebter Menschen.

Die stärkste körperliche Verbundenheit spüren wir bei der sexuellen Vereinigung. Die Intensität entsteht dadurch, dass neben der sinnlich-emotionalen Nähe zusätzlich die mentale und spirituelle Ebene angesprochen werden.

Die sexuelle Berührung ist kein Privileg der jungen Jahre, auch wenn es sich in der öffentlichen Wahrnehmung so anfühlt. Der Sexualtherapeut David Schnarch ist der Meinung, dass die Sexualität für ältere Menschen sogar erfüllender ist. Den Grund sieht er darin, dass hier zwei gereifte Persönlichkeiten miteinander schlafen.

In diesem Zusammenhang sollte noch erwähnt werden, dass Männer und Frauen unterschiedliche Zugänge zur emotionalen Nähe und zur Sexualität haben.

Während Frauen eher über die emotionale Verbundenheit zum Sex kommen, wird bei Männern eine mögliche emotionale Distanz durch die Sexualität ein Stück weit aufgehoben.

Mentale und spirituelle Verbundenheit

Die Wichtigkeit der verschiedenen Ebenen verschiebt sich im Laufe des Lebens und auch während einer Partnerschaft. Ist die Sexualität noch bei den jüngeren Menschen von großer Bedeutung, so wird die mentale und spirituelle Verbundenheit zunehmend wichtiger.

Während sich die körperliche Verbundenheit wie ungebremste Anziehung anfühlt, ist die mentale oder spirituelle Nähe wie eine Bestätigung zusammen zu gehören. Ähnliche Interessen, ähnliche Ansichten. Ein gutes miteinander Auskommen. Anregende Gespräche.

Die spirituelle Nähe öffnet sich über die Zweierbeziehung hinaus für andere Menschen und schließt Freunde und Bekannte mit ein.

Emotionale Verbundenheit zulassen

Für eine glückliche und erfüllende Beziehung ist eine gefühlte tiefe Verbundenheit mit seinem Partner eine Voraussetzung. Doch wer genau ist eigentlich dein Partner? Ist es der Mensch, wie du ihn siehst, oder wie er sich selbst sieht?

Um mit deinem Partner ein dauerhaftes Liebesverhältnis aufnehmen zu können, müssen wir ihn ohne Urteil wahrnehmen können. Das ist nicht immer leicht. Denn unsere Glaubenssätze über Beziehung und unsere Klischees über Männer und Frauen legen sich wie ein grauer Filter über unsere Wahrnehmung.

Frauen, Männer und emotionale Nähe

Emotionale Nähe ist Wertschöpfung für die Seele. Sie funktioniert nicht ohne Engagement.

Und in der Regel ist dieses Engagement zwischen den Geschlechtern unterschiedlich verteilt. Hier die Kümmerer, die den Alltag organisieren und die sogenannte Beziehungsarbeit leisten.

Sie erledigen nicht nur den Einkauf – oder schreiben zumindest den Einkaufszettel –, und suchen den besten Musiklehrer. Sie überlegen sich, wo der nächste Urlaub verbracht wird und knüpfen immer wieder die Beziehung zum Partner. Sie hegen und pflegen sie mit Unternehmungen und Aktivitäten, die den Partner mit einbeziehen.

In der westlichen Gesellschaft schiebt man immer noch den Frauen die Rolle mit sozial-emotionaler Kompetenz zu. Männer dagegen gelten eher als emotionale Sozialfälle, die zwar gut einen Betrieb führen können, aber daheim eine Art „Sozialarbeiterin“ brauchen.

Letzten Endes aber ist es nicht eine Frage des Geschlechts, sondern des Denkens. Männer und Frauen mit einem Sinn für Technik und lösungsorientiertem Denken überlegen sich bei Konflikten eine Lösung, wo es manchmal keine Lösung braucht.

Bei seelischen Belangen kann man nicht wie ein Hausmeister fragen: „Was ist kaputt? Welches Werkzeug muss ich mitnehmen?“

Manchmal steckt jeder von uns einfach in einer beschissenen Situation, in der wir einfach nur heulen oder wütend sein möchten. Während wir gleichzeitig wissen, dass (fast) alles gut ist und nichts geändert werden muss.

In solch einem Fall würde das aktive Zuhören ohne Lösungsvorschläge reichen und fühlen genau, was emotionale Nähe ist.