Warum streiten wir uns?

Kleinigkeiten, die keine sind.

Wer viel Streit in seiner Beziehung hat, kann auch nicht über Kleinigkeiten miteinander reden.

Warum streiten wir uns

Streit hat weder etwas mit Liebe oder Hass zu tun. Auch Paare, bei denen sich beide Partner noch lieben, können sich zerfleischen und sich wieder versöhnen. Manchen Paaren hilft versöhnlicher Sex.

Andererseits müssen Paare, in denen die gegenseitige Ablehnung groß ist, sich gar nicht streiten. Sie zeigen sich die kalte Schulter und strafen sich mit Ignoranz.

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Warum streiten wir uns

Streit entsteht, weil die Streitenden – nicht nur in einer Partnerschaft – unterschiedliche Sicht auf die Dinge haben. Klingt simpel, ist simpel, aber noch längst nicht alles.

Jeder von uns weiß, dass nicht alle Menschen gleich ticken. Jeder ist ein bisschen anders, hat einen anderen Geschmack, denkt ein bisschen anders, hat andere Überzeugungen – also erlebt er auch die Welt anders als wir.

Das gilt natürlich auch für die Partner in einer Beziehung. Natürlich ist uns eine Person gedanklich näher, die wir lieben. Trotzdem gibt es bei aller Verbundenheit und ähnlichen Meinungen Unterschiede.

Nicht der Unterschied macht’s, sondern die Gewichtung des Unterschieds. Was für den einen völlig Belanglos ist, hat für den anderen Partner große Bedeutung. Im Grunde genomen streiten beide nicht um die Sache selbst, sondern um die Bedeutung, die die Sache für jeden hat. Es geht um ihre Glaubenssätze über eine bessere Welt. Nehmen wir als Beispiel das Thema Ordnung. Der Mann braucht eine akurat aufgeräumte Wohnung, die Frau verträgt gut Unordnung. Es geht um Kleinigkeiten: eine Kaffeetasse, die stehengeblieben ist. Oder ein Kleid, das über dem Stuhl in der Küche hängt.

Angriff auf unsere Identität

Auch wenn es um Kleinigkeiten geht. Bei jedem Streit wird an den Grundfesten unserer Persönlichkeit gerüttelt. Es geht eben nicht um Kleinigkeiten.

Unser Partner stellt im Streit unsere Sicht auf die Dinge in Frage. Wir werden in unserem So-Sein belächelt und beleidigt und vor den Kopf gestoßen. Unsere Ansichten sind nicht ok – milde ausgedrückt.

Bei jedem Streit zeigt uns dagegen unser Partner, dass wir nicht richtig ticken. Dass wir viel zu weltfremd sind, um die Sache richtig beurteilen zu können.

Seine Vorwürfe sind Angriffe auf unsere Persönlichkeit mit unseren Werten und Bedürfnissen. Wie kann man da nicht seinen Gefühlen freien Lauf lassen und nicht wütend werden?

Streit ist etwas in uns, das (noch) lebt und gehört werden will.

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Einstecken und austeilen

Ein Bestandteil unserer Identität sind unsere Überzeugungen und Glaubenssätze über uns. Unser sogenanntes Selbstbild. Und alles, was dazugehört, ist wichtig und richtig.

Ob ordentlich oder chaotisch. Expressiv oder zurückhaltend. Warmherzig oder distanziert. Harmoniebedürftig oder streitbar. Freiheitsliebend oder gerne sozial eingebunden. Jeder Mensch komponiert sein Selbstbild selbst.

Jeder Streit mit anderen Menschen oder dem Partner fühlt sich an wie ein Angriff auf dieses Selbstbild, auf unser Selbstwertgefühl.

Einstecken müssen

Wenn wir lernen wollen, warum wir uns immer streiten, müssen wir einen Blick auf zwei Aspekte des Streitens werfen.

Der erste Aspekt beim Streit sind die „Vorwürfe“ des Partners. Sie stellen unser Handeln oder Nichthandeln in Frage. Der Streitpartner findet unser Verhalten und unsere Gedanken unakzeptabel, möglicherweise idiotisch.

Das ist natürlich ein Angriff auf unser Selbstverständnis. Wir werden in Frage gestellt – wir, die wir genau wissen, wie man wir am besten leben.

Wir selbst sind die Fachfrau oder der Fachmann für unser eigenes Leben. Wir selbst wissen am besten, wie wir leben wollen. Warum streiten wir uns dann? Weil sich jemand wie unser Partner sich anmaßt, zu glauben, es besser zu wissen!

Das macht uns richtig wütend.

Genauso, wie wir unseren Partner erleben, so erlebt er uns. Mit unseren Vorwürfen stellen wir seine Identität und sein Selbstverständnis in Frage.

Das macht ihn richtig wütend.

Das klingt für dich vielleicht dramatisch überzogen und psychologisierend: Keiner, der streitet, will die Identität des anderen in Frage stellen. Es geht doch nur um Kleinigkeiten, denkst du. Um Kinkerlitzchen.

Doch wenn es nur um Kleinigkeiten geht: Wie erklärst du dir dann die Schärfe, die Unnachgiebigkeit, die Bösartigkeit im Streit?!

Streit entzündet sich an den unterschiedlichen Bedeutungen, die wir den Dingen geben. Was für den einen eine Bagatelle ist, das ist für den anderen ein wichtiges Ding.

Im Streit reden wir zwar über falsch ausgedrückte Zahnpastatuben, meinen aber unser Weltbild: Was Ordnung wirklich ist. Was Zuverlässigkeit wirklich bedeutet. Warum Pflichterfüllung wichtig ist.

Wir tun immer so, als wüssten wir genau, was nicht nur für uns, sondern auch für andere bedeutsam ist und was nicht. Was man wichtig nehmen muss und was nicht. Was sich lohnt zu besprechen und was nicht.

Was den meisten Menschen für eine erfüllende Beziehung fehlt, ist das gelebte Verständnis für die Andersartigkeit des Partners. Das bedeutet, sich nicht in seine Angelegenheiten einzumischen. Und nicht für ihn zu entscheiden, was für ihn wichtig und richtig ist und was nicht.

Solange es uns nicht gelingt, den Partner zu akzeptieren, wie er ist, solange nützt es wenig, Kommunikationstechniken für eine bessere Verständigung zu lernen.

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Austeilen, um recht zu behalten

In unseren Augen vertritt unser Konfliktpartner Ansichten, die sich nicht mit unseren Überzeugungen und Glaubenssätzen vereinbaren lassen. Oder er handelt in einer Weise, dass wir uns schlecht, ungerecht oder unangemessen behandelt fühlen.

Dagegen wehren wir uns und hauen unserem Gegenüber sein Verhalten und seine Unterlassungen um die Ohren. Nun hat er das Gefühl, dass seine Identität in Frage gestellt wird. Sein So-Sein.

Unsere Vorwürfe sind aber „nur“ unsere Interpretationen seines Verhaltens. Ihr Geburtsort sind unsere Erwartungen, wie der andere zu handeln und zu denken hat.

Bei jedem Streit machen wir uns stark für uns selbst. Das ist das Gute am Streit. Er ist in jedem Fall eine Form der Selbstfürsorge, aber nicht immer zu unsrem Wohle.

Der eigentliche Grund hinter jedem Streit ist jedoch der Versuch, dass wir den anderen davon überzeugen oder beweisen wollen, dass wir ein bisschen mehr recht haben als er oder sie.

Gelingt uns das nicht, sind wir enttäuscht. Von uns, dass wir nicht genug Überzeugungskraft haben. Vom anderen, dass er nichts einsieht.

Jedes „Weil… “ ist der Versuch, unserem Partner die Wahrheit zu zeigen. Jedes „Weil …“ ist eine logische Erklärung, die eigentlich keine Widerworte duldet. Jedes „Weil …“ ist ein Beleg und Beweis, dass wir recht haben. Warum streiten wir uns? Weil wir zu viele „Weil … “  und Erklärungen mit uns herumtragen, warum die Welt und die Tatsachen und Fakten so sind, wie sie sind. Wir sind Erklärungs- und Rechtfertigungsneurotiker.

Mit dem Streitende ist der Konflikte noch nicht aus der Welt geschafft. Nur die verbalen Attacken. Es herrscht eine Art Waffenruhe, aber die Konflikte schwelen weiter. Was fehlt ist eine streitfreie Kommunikation, Gespräch genannt, um seine Positionen zu diskutieren.

Unsere Überzeugungen und unsere Gefühle können wir allerdings nur in einer angstfreien Umgebung zeigen und austauschen. Ist das nicht der Fall, dann braucht es erst einmal eine gehörige Portion Wut, um aus uns herauszukommen.

Da hat der Streit gar keinen Vorlauf. Denn wir streiten uns schon innerlich mit dem Partner, bevor wir mit ihm den Streit anfangen. Manchmal erst, wenn wir vom inneren „Monolog-Streit“ mit ihm fast erschöpft sind.

Wenn wir Angst haben, die inneren Konflikte vor unserem Partner anzusprechen, wenden wir uns lieber Freunden oder Freundinnen zu als unserem Partner. Oder wenn unser Frust über das Desinteresse bereits sehr groß ist.

So ist es kein Wunder, dass wir manchen Konflikt gar nicht mehr austragen, sondern nur noch in uns hineinfressen.

Wann ist es zu viel Streit

Wir leben alle in einer Welt, von der wir annehmen, dass sie von allen Menschen in der gleichen Art und Weise wahrgenommen wird.

Solange es nur kleine geschmackliche „Verirrungen“ sind, können wir gut damit umgehen. Und nicht nur das. Wenn andere Menschen ein bisschen von unseren Überzeugungen und Meinungen abweichen, ist das ja eine Bereicherung für uns. Wären alle Mitmenschen nur Kopien von uns – ach Gott, wie langweilig.

Wir glauben ganz fest daran, dass unsere subjektive Vorstellung von der Realität die einzig wahre ist. Mit den meisten „Geschmacksverirrungen“ können wir uns ganz gut arrangieren, solange die Menschen uns nicht nah stehen.

Wir lieben die Menschen, die die gleichen Überzeugungen teilen. Die derselben Meinung sind. Das bestätigt uns. Dann liegen wir richtig.

Stressig wird es, wenn uns nahestehende Menschen plötzlich oder allmählich andere oder neue Ansichten entwickeln. Wir erwarten voneinander, nicht gleich, aber sehr ähnlich zu denken.

Während Paare sich auf diese Weise auseinander entwickeln, hören auch die Streits auf. Streits verbinden uns. Das ist ein Grund, warum manch emotional abhängige Partner Streit suchen. Es ist eine unfreie Art, Nähe und Verbindung herzustellen und führt schnell zur Eifersucht.

Durch wüstes Streiten können wir uns als Persönlichkeiten kaum weiterentwickeln und auch keine Beziehung retten, weil sich die Themen selten verändern , über die wir uns immer streiten. Streits sorgen also auch dafür, dass wir auf der Stelle treten.

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Richtig streiten lernen

Streiten will gelernt sein, heißt es so schön. Doch ist es nicht so einfach, wenn die Emotionen mit uns durchgehen, wenn wir in Rage geraten und wir das Gefühl haben, uns nicht mehr im Griff zu haben und vielleicht nicht mehr unsere Eifersucht kontrollieren zu können..

Auch wenn im Internet verschiedene Tipps und Kurse über eine entspanntere Kommunikation angeboten werden, um richtig streiten zu lernen, so ist doch der Hintergrund für jeden Streit die Vorstellung, sein Blick auf die Dinge sei der einzig richtige.

Wer aber weiß, dass jeder von uns in seiner ganz eigenen Welt lebt und nicht länger erwartet, dass sein Partner sein Verhalten und Denken ändert, und ihn statt dessen akzeptiert, wie er ist, der streitet sich auch nicht länger.

Es gibt dann keinen Grund mehr, richtig streiten lernen zu wollen.

Akzpetanz aber heißt noch lange nicht, alles hinzunehmen. Aber mit der Haltung, dass der Partner so ist, wie er ist, kann man auch die Entscheidung treffen, nicht länger mit diesem Menschen zusammensein zu wollen.

Das Ziel ist es also nicht, richtig streiten lernen, sondern den Partner als Persönlichkeit zu sehen, ihn anzunehmen und sich nicht länger mit ihm zu verstricken. Dann können wir auf ihn zugehen oder uns von ihm trennen – im Guten.

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