Verlustangst überwinden

Verlustangst überwinden

Hintergründe und Symptome

Verlustangst endlich überwinden

Für Menschen mit Trennungangst kann eine Beziehung zur Tortur werden. Doch was ist die Ursache hinter der Verlustangst? Verhalten-Tipps helfen dir, etwas gegen Verlustängste zu tun und sie zu überwinden.

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Jeder von uns hat schon einmal die Angst gehabt, eine geliebte Person zu verlieren. Entweder einen Elternteil oder einen Partner.

Im Grunde genommen ist diese Angst nicht weiter schlimm, wenn sich die Situation bald auflöst. Das verkraften wir. Schließlich gehört Verlustangst zu unserer biologischen Grundausstattung als Sozialwesen.

Eltern, die ihren Kindern drohen, sie in ein Heim abzuschieben, ahnen nicht, was sie ihren Kindern antun. Sie „erziehen“ mit Angst, die die Kinder in die Spur bringen soll.

Leider ist das Produzieren von Angst – Trennungsangst – immer noch ein weit verbreitetes Erziehungsmittel. Problematisch wird diese Angst erst, wenn sie sich ständig wiederholt und wir uns nicht mehr von der Angst erholen können.

Sie verfestigt sich in uns zu einem angsterfüllten Hintergrundrauschen, das uns durch das Leben begleitet.

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Verlustangst und Trennungsangst

Diese Angst dient als Frühwarnsystem vor dem Verlust einer Bezugsperson und ist eine Art Bestätigung für die Bedeutung der Beziehung. Zunächst zu den Eltern, später ein anderer Mensch, den wir lieben.

Menschen mit einer „anerzogenen“ Verlustangst entwickeln in ihren Beziehungen oft eine krankhafte Eifersucht. Sie befürchten die Trennung von einer ihr wichtigen Person.

So sehr eine Trennung befürchtet wird, so sehr wird auch die Nähe gefürchtet. Menschen mit Verlustangst fällt es schwer, wirklich eine intime Beziehung aufzubauen. Denn je enger und näher sie mit der geliebten Person zusammenkommen, desto größer wird die existenziellen Ängste vor einer Trennung.

„Vorsorglich“ halten sie ihren Partner auf Abstand. Verlustangst wird oft von Bindungsangst begleitet.

Was ist Verlustangst?

Verlustangst ist ein Gefühl, das sich bei manchen Menschen entwickelt, sobald eine wichtige Bezugsperson abwesend ist. Oder die hypothetische Gefahr besteht, diese Bezugsperson zu verlieren.

Dahinter steckt unser Bedürfnis nach Sicherheit, Schutz und körperlicher Unversehrtheit, nach sozialem Kontakt und Kommunikation mit anderen uns wichtigen Menschen.

Die Nähe zur Bezugsperson hat existenzielle Bedeutung. Die auftretende Verlustangst und das Zeigen von Eifersucht sind Zeichen eines „Überlebenskampfes“, der sich wild und ungestüm äußert.

Für Partner, die nichts von der Verlustangst wissen, ist es nur ein bösartiges Um-sich-beißen.

Symptome

Verlustängste in Beziehungen äußern sich unterschiedlich. Manchmal ist es ein diffuses Gefühl und die Betroffenen fühlen sich trotz Beziehung einsam.

Zeichen von Verlustangst sind u.a. Misstrauen und ein übermäßiger Kontrollzwang. Durch ein übertriebenes „Klammern“ am Partner befreit der sich irgendwann rabiat.

Der befürchtete Verlust des geliebten Menschen tritt im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung in der Tat ein und bestätigt die Verlustangst.

Mangelhaftes Selbstwertgefühl

Viele Menschen, die grob und herzlos erzogen worden sind, haben oft nicht nur Verlustangst, sondern glauben auch, nicht liebenswert zu sein. Einer ihrer verinnerlichten Glaubenssätze über sich selbst lautet. „Ich bin nicht gut genug!“ oder „Ich genüge ihm nicht“.

Deshalb – glauben sie – wird ihr Partner sie früher oder später verlassen. Sie müssen als allererstes ihr Selbstwertgefühl stärken.

Kompensation

Angst, Wut und Trauer sind Gefühle, die wir brauchen, um das Geschehen um uns herum zu verarbeiten. So nützlich sie sein mögen, so sehr wollen wir sie nicht spüren.

Schon in der Kindheit haben wird gelernt, wie man es vermeiden kann, Gefühle zu spüren: durch Kompensation.

Sicherheit einfordern

Das, was wir uns nicht selbst an Lebensqualität geben können, soll der Partner für uns übernehmen. Er soll Sicherheit und Selbstbewusstsein ausstrahlen und Geborgenheit geben. Aber manchmal haben wir gleichzeitig Angst vor emotionaler Nähe.

Er soll zuverlässig in jeder Hinsicht sein. Kein Chaot, der heute so und morgen so handelt und sich ständig von neuen Ideen hinreißen lässt. Er soll berechenbar sein. Lieber eine halbe Stunde früher zu einer Verabredung kommen als eine Minute zu spät.

Er soll Tag für Tag seine Liebe beweisen und täglich „ewige“ Treue schwören. Auf die Fragen, ob der Partner einen liebe, ist die Antwort: „Das habe ich dir schon vor 10 Jahren gesagt.“ keine wirkliche Hilfe.

Diese massiven Erwartungen an den Partner engen ihn ein und treiben ihn im schlimmsten Fall in die Flucht. Wissen über Verlustangst ist hilfreich, aber keine Garantie, dass die Beziehung hält.

Hinter manch einer unkontrollierten Eifersuchtsszene steckt das Bedürfnis nach Sicherheit, das sich in den wenigsten Fällen voll und ganz befriedigen lässt. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist wie ein Fass ohne Boden. Er signalisiert dem Partner immerzu: Das ist mir zu wenig! Ich brauche mehr!

Sich klein machen

Aus der Verlustangst heraus soll der andere „mit aller Gewalt“ von der Bedeutung der Beziehung überzeugt werden. Die Betroffenen überhäufen ihre Partner mit Liebesbeweisen. Geschenke, kleine und große Gefallen, unerwünschte Hilfe und Aktionen gehören dazu, die der „Beziehungsarbeit“ dienen

Ein gewisses Sich-klein-machen ist Teil des Verhaltens-Repertoires: Es dem anderen um jeden Preis recht machen, um den Hausfrieden zu erhalten. Beim Streit schnell nachgeben, um den Partner nur nicht in die Flucht zu treiben.

Menschen, die sich klein machen, verurteilen sich für ihre „Duckmäuserei“ . Es bestätigt, was sie eh wussten: „Ich bin nicht liebenswert!“ Ein Teufelskreis.

Kontakte verhindern

Die unbeherrschbare Angst, den Partner an einen anderen Menschen zu verlieren, bläht eine massive Eifersucht auf. Bis hin zu den Auswüchsen beim Othello-Syndrom. Mit allen Mitteln wird versucht, Kontakte zwischen dem Partner und anderen Personen zu unterbinden. Es wird nicht mehr unterschieden, ob es sich um potentielle Partner handelt oder nicht.

Kontakte lassen sich nicht vermeiden, und so macht der Eifersüchtige seinem Partner schnell die Hölle heiß mit Vorwürfen hypothetischer Untreue. Oder dem Vorwurf, ihn bald verlassen zu wollen.

Diese drei Verhaltensmuster sorgen dafür, dass die Verlustangst zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird: Der Eifersüchtige tut alles, um seine Verlustangst zu kompensieren und sie nicht mehr zu spüren. Aber er erreicht das Gegenteil. Der Partner fühlt sich zunehmend eingeengt und geht spürbar auf Distanz. Die Verlustangst wächst.

Tipps gegen Verlustangst

Um deine Verlustängste zu überwinden, musst du dich selbst besser
kennenlernen. Wann und wie äußern sich deine Verlustängste? Was könnten bei dir die Ursachen sein?

Wann in deiner Geschichte hattest du zum ersten Mal Verlustangst?

Wirf einen Blick auf deine Gefühle, dein Verhalten und deine Vergangenheit. Im besten Fall hältst du deine Beobachtungen in einem Tagebuch fest. Durch die Verschriftlichung entdeckst du Dinge an dir, die du vorher nicht gesehen hast. Durch den Schreibprozess werden Erinnerungen wachgerufen, die beim bloßen Nachdenken nicht auftauchen.

Wenn du weißt, wann sich in aktuellen Situationen deine Verlustängste zeigen und woher sie kommen, wirst du sie leichter bearbeiten und strategisch überwinden können.

Blick in die Vergangenheit

Vielen Menschen, die an die Zukunft denken, haben Angst vor ihr. Niemand weiß genau, was passieren wird, aber der Blick in die Zukunft ist mit viel Sorgen verbunden. Oder Angst.

Der Blick zurück in die Vergangenheit ist eher mit Bestätigung verbunden. So war es. Man hat einiges richtig gemacht. Oder man bereut die ein oder andere Tat. Aber das, was war, hat zumindest stattgefunden. Das, was war, macht uns keine Angst.

Als Mensch mit Verlustangst schaust du in die Zukunft. Dabei malst du dir aus, wie dein Partner dich verlässt. Du kannst es zwar nicht wissen, aber du reagierst, als würdest du es zu 100 Prozent wissen.

Wenn dein Partner dich morgen nicht verlässt, dann ist das für dich eher Zufall. Dann wird er dich übermorgen verlassen. Wenn er dich übermorgen nicht verlässt, dann eben überübermorgen.

Als Menschen mit Trennungsängsten lebst du gedanklich in der Zukunft, und die macht dir in ihrer Unzuverlässigkeit Angst.

Wer seine Verlustangst überwinden will, der sollte seinen Blick verstärkt auf die Vergangenheit richten. Auf die Tatsachen. Überlege dir einmal, wie oft du schon befürchtet hast, dass dich dein Partner verlassen wird.

Und wie oft das doch nicht passiert ist?

Der Blick zurück zeigt dir, dass du schon viele hundert Male Angst hattest, er könnte gehen. Aber viele hundert Male hat er dich nicht verlassen.

Dein Partner gehört dir nicht​

Mach dir klar, dass du deinen Partner nicht verlieren kannst. Verlieren kannst du nur, was dir gehört. Und dein Partner gehört dir nicht!

Er ist ein freier Mensch mit einem eigenen Leben und einem eigenen Willen. Er wird so lange dein Partner bleiben, solange er sich von dir angezogen fühlt.

Um deine Verlustangst zu überwinden, richte deinen Fokus auf deine Kompensationsmechanismen.

Entbinde deinen Partner von seiner "Aufgabe"

Vermeide, von deinem Partner Erklärungen zu verlangen, die eine trügerische Sicherheit versprechen. „Ewige“ Treue und Liebe lässt sich nicht wirklich versprechen. Gefühle kommen und gehen – und so ist es mit der Liebe auch.

Dein Partner ist nicht dein Partner, um sich wie eine Mutter oder ein Vater um dich zu kümmern. Er ist nicht in deinem Leben, um dir ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Er ist nicht dein Partner, um ein mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Das ist allein dein Job dafür zu sorgen, dass du dich sicher und geborgen in dieser Welt fühlst.

An sich zu arbeiten bedeutet, in sich die verschütteten Anteile zu suchen, die uns Sicherheit und Geborgenheit geben. Unser Selbstwertgefühl zu stärken. So lässt sich die Verlustangst überwinden.

Hingebogene Gefühle

Vermeide Eifersuchtsszenen und wirf ihm keine hypothetischen Affären vor. Behaupte nichts über ihn, was du nicht zu 100 Prozent weißt. Bloße Vermutungen – verpackt als Vorwurf – bringen jeden Menschen auf die Palme.

Überhäufe ihn nicht mit Liebesbeteuerungen. Natürlich schmeichelt es Menschen, wenn sie geliebt werden und manch einer geht deshalb eine Beziehung ein. Aber am Schluss bleibt dein Partner bei dir, weil er dich liebt. Und nicht, weil du ihn liebst.

Das Überfüttern mit Liebesschwüren ist letzten Endes Manipulation. Man will den Partner dazu kriegen, „zurückzulieben“. Diese Manipulation von Gefühlen kann nicht gut gehen.

Hingebogene Gefühle sind eine denkbar schlechte Voraussetzung für eine Liebesbeziehung.

Das Gegenteil erreichen

Und selbst wenn du deinen Partner mit Liebesbeteuerungen an dich binden kannst, spürst du, auf welch tönernen Füßen die Beziehung steht. Statt Sicherheit erlebst du Unsicherheit, statt Geborgenheit noch mehr Verlustangst.

Wenn du deine Verlustangst überwinden willst, musst du an deinen Glaubenssätzen arbeiten. Sie gestalten unbewusst dein Leben und die Eifersucht in deiner Beziehung. Glaubenssätze wie „Ich brauche meinen Partner!“ oder „Ich kann nicht alleine leben!“ sind oft genug die Ursache für Verlustängste und Eifersucht.