Othello-Syndrom und Eifersuchtswahn

Wütender Mann mit Othello-Syndrom / Bild von Ashish Choudhary auf Pixabay
Menschen im Eifersuchtswahn beschuldigen ihren Partner, eine Affäre zu haben oder fremdzugehen. Von dieser Meinung lassen sie sich nicht abbringen.

Realitätsverlust und Gewaltbereitschaft – das Othello-Syndrom.

Beim Eifersuchtswahn verlieren die Betroffenen jede Wirklichkeitsnähe. Sie unterstellen ihren Partner Affären und Seitensprünge. Und die Beschuldigten haben keine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Das Wort wird ihnen im Mund umgedreht. Die Gewaltbereitschaft der pathologisch krankhaften Personen ist hoch.

 

Unter dem Othello-Syndrom versteht man in der Psychologie einen Symptomkomplex, der in der Regel mit einer pathologischen Eifersucht auftritt.

Benannt ist das Syndrom nach der krankhaft eifersüchtigen Hauptfigur der Shakespeare-Tragödie „Othello, der Mohr von Venedig“. In diesem berühmten Werk endet die Eifersucht für den Feldherren Othello tödlich, da er erst seine Ehefrau Desdemona und schließlich sich selbst umbringt.

Geprägt hat den Begriff der britische Psychiater John Todd, der im Jahre 1955 eine erste Studie zu diesem Wahn veröffentlichte. Darin stellte er fest, dass Frauen und Männer darunter leiden können, Männer jedoch rutschen häufiger in diese krankhafte Psychose rein.

Wo siehst du dich? Eher bei der milden oder eher bei der mittleren bis massiven Form? Teste dich einmal.

Ein grundsätzliches Problem der Eifersucht ist, dass sie sich immer gleich anfühlt, egal wie stark die betroffenen Menschen leiden und ob es einen realen Anlass gibt oder nicht.

 

Die Übergänge von der milden bis hin zum krankhaften Form mit Gewaltbereitschaft sind fließend. Das macht es für die Lebensgefährten so schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um ernsthaft auf das Problem zu reagieren und die Reissleine zu ziehen – bevor die Beziehung in die Brüche geht.

Bei der ehelichen Paranoia, wie die Psychose auch genannt wird, reden sich die Betroffenen ein, dass ihr Partner fremdgegangen ist. Oder bald fremdgehen wird, obwohl es in den allermeisten Fällen nicht den geringsten Hinweis dafür.

Folglich kommt es in den Partnerschaften zu Eifersuchtsszenen und Rechtfertigungsorgien. Der Erkrankte kann nicht mehr klar zwischen Vermutung und Wirklichkeit unterscheiden. Er versteift sich in die eigenen Vorstellungen und erklärt seine Vermutungen als Fakten. Er lässt sich durch kein Gespräch von seiner Wahnvorstellung abbringen!

Unschuldsbeweise werden schroff zurückgewiesen

Bei einem bekannten Fall des Othello-Syndroms unterstellt die wahnhaft eifersüchtige Engländerin Debbie Woods ihrem Verlobten, sich in Frauen aus Zeitschriften oder dem Fernsehen zu verlieben. Außerdem zwingt sie ihn jedes Mal, wenn er das Haus verlässt und zurückkommt, einen Test mit einem handlichen Lügendetektor durchzuführen. Leben am Rande des Wahnsinns.

Wenn dein Lebensgefährte felsenfest davon ausgeht, dass du eine Affäre hast oder er dich zwanghaft kontrolliert, könnten solche Symptome auf das Othello-Syndrom hinweisen.

Die Partner werden zu unrecht der Untreue beschuldigt. Auf Dauer zermürben diese Vorwürfe die meisten Menschen, die von Tag zu Tag immer unsicherer werden, weil sie nicht mehr wissen, wie sie richtig reagieren sollen. Große Angst vor Einsamkeit und Verlustangst befeueren häufig den Eifersuchtswahn im Alter.

Ein Teufelskreis

Aber für den krankhaft Eifersüchtigen ist diese Unsicherheit nur ein Hinweis auf ein schlechtes Gewissen. Wegen einer verheimlichten Affäre oder wegen einem verschwiegenem Seitensprung.

Ein Teufelskreis, in den der eifersüchtige Kranke seinen Partner hineinzieht.

Im Grunde genommen möchte ein eifersüchtiger Mensch seinem Lebensgefährten klarmachen, dass er ihn nicht verlieren möchte. Durch seine Vorwürfe und sein „Checken“ privater Sachen des aneren erreicht er allerdings das Gegenteil: er vertreibt den Menschen, den er liebt. Der aber sucht das Weite, weil er die Situation und das Wahnverhalten des anderen nicht mehr erträgt.

Die bösartigen Unterstellungen werden immer häufiger. Nach und nach möchte man den Partner ganz allein für sich haben und schränkt ihn in seiner Freiheit immer weiter ein.

Lass dir deine Beziehung nicht länger durch Eifersucht vermiesen. Mit diesen Tipps bekommst du sie in den Griff.

Meistens Männer betroffen

Beim Othello-Syndrom lässt sich der Inhalt der Wahnideen von Außenstehenden – im Gegensatz zu anderen Wahnideen – gut nachvollziehen.

Wie schon John Todd festgestellt hat, sind meist Männer betroffen. Sie halten akribisch Ausschau nach Beweisen für die Untreue ihrer Lebensgefährtin. Zusammengesammelte Beweise werden der Partnerin Punkt für Punkt vorgelegt.

Da es sich um „Beweise“ handelt, hat die Partnerin keine realistische Möglichkeit, den eifersüchtigen Partner von ihrer Treue zu überzeugen.

Der Erkrankte kann die Argumente nicht mehr objektiv abwägen und reagiert auf seine Wahnvorstellungen, die er als Wirklichkeit erlebt.

Sicherlich spielt bei der Entstehung von wahnhaften Symptomen die mit zunehmenden Alter nachlassende Libido des Mannes eine Rolle. Wer als Mann seinen Selbstwert auf seine Potenz reduziert, der „verliert“ biologisch bedingt im Laufe der Jahre an „Selbstwert“ und hat Angst, seine Partnerin an einen anderen – potenteren – Mann zu verlieren.

Bedingt durch diese biologischen Veränderungen und auch durch Erkrankungen wie Demenz findet man den Eifersuchtswahn im Alter häufiger als bei jüngeren Menschen.

Nicht selten ist die Gewaltbereitschaft hoch. Othello-Patienten durchsuchen die Sachen des Partners und suchen zwanghaft nach Hinweisen, die beweisen, was sie eigentlich schon wissen: ihr Partner ist ihnen untreu.

Wenn das zu keinem Erfolg führt, reagieren sie mit Gewaltandrohungen oder gewaltvollen Wutausbrüchen.

Die Presse ist voll von Dramen mit tödlichem Ausgang.

Ein Problem ist hierbei, dass der Eifersuchtswahn durch Gewaltexesse und Alkoholmissbrauch verfestigt wird.

 

Symptome

Wenn dir dein Partner wie aus dem Nichts Vorwürfe von Untreue macht, kann dies auf eifersüchtigen Wahn hindeuten. All deine Beteuerungen vom Gegenteil und die Bestätigung, ihn zu lieben, bringen ihn nicht von seiner Meinung ab.

Die eifersüchtigen Patienten leiden unter der Vorstellung, betrogen zu werden. Die Angst ist so groß, dass sie sich der Untreue sicher sind. Auch ohne Beweise beharren sie darauf, dass ihr Partner sie betrogen hat.

Rechtfertigungen machen sie noch skeptischer. Wenn du beispielsweise deinem Partner erklärst, warum du spät nach Hause gekommen bist, schrillen die Alarmglocken. Egal was du sagst, es wird als Ausflüchte abgetan.

Lässt du die Vorwürfe dagegen unkommentiert stehen, fühlt er sich bestätigt.

Du hast keine Chance. Du kannst nichts tun, dass er dir vertraut.

Sicherlich gibt es viele Menschen, die schon einmal aus Neugier oder aus Verlustangst auf dem Handy des Partners nach Hinweisen für ein Fremdgehen gesucht haben.

Aber wenn dieses Checken aller Nachrichten an den Lebensgefährten zur Routine wird, kann das ein Anzeichen für Wahn sein. Und teilweise kontrollieren die Betroffenen nicht nur das Handy und lesen sämtliche Kurznachrichten. Sondern sie sagen ihrer Partnerin auch, was sie anziehen darf und was nicht, bevor sie das Haus verlässt.

Die Betroffenen verbieten direkt oder indirekt ihrem Partner, sich mit Freundinnen und Kollegen zu treffen. Tun diese es trotzdem, müssen sie sich anschließend heftigste Vorwürfe gefallen lassen.

Woran erkennt man das Othello-Syndrom?

Der Betroffene glaubt fest daran, dass der Partner oder die Partnerin fremdgeht oder bald fremdgehen wird. Die Angst davor betrogen zu werden, wird dabei zu einer „Wirklichkeit“ versponnen, die jeden Realitätsbezug verloren hat. Die Ursache ist ein Gefühl wie Verlustangst.

Wissen hilft weiter. Alles über die verschiedenen Formen.

Affären, die es nicht gibt

Die Betroffenen haben zwar keinerlei anlassbezogene Gründe oder reale Beweise für ein Fremdgehen, aber sie beharren unbeirrbar auf ihrer Wirklichkeit. Sie „wissen“, dass es stimmt.

Egal, was man sagt oder tut: Der Partner glaubt nicht und vertraut nicht. Auch die Beteuerungen von Freunden oder Familienmitgliedern, die nichts von Affären oder Fremdgehen wissen, zeigen keinerlei Wirkung.

Die am Ende oft hilflosen Beteuerungen des Gegenteils machen ihn noch skeptischer. Auf Gegenargumente reagieren sie hellhörig und befeuern die Wahnvorstellungen.

Wer resigniert und sich nicht mehr gegen die bösartigen Vorwürfe und Beschimpfungen wehrt, bestätigt die Untreue – in seinen Augen.

Kontrollwahn

Eifersuchtswahn ist auch Kontrollwahn. Die betroffenen Personen durchsuchen wie verrückt das Handy ihres Partners oder stöbern durch die Chronik des Browsers. Wer allein mit Freunden ausgehen will, muss genau sagen mit wem wohin. Die Uhrzeit für die Rückkehr wird festgelegt. Und wehe, es wird später.
 
Manchmal dürfen die Partner die Wohung gar nicht verlassen und werden mit perfiden Tricks daran gehindert.
 
In den USA fand sich beispielsweise ein Paar vor dem Scheidungsrichter wieder, nachdem der Frau der Kontrollzwang des Mannes zuviel geworden war. Jeden Tag hatte er Kreide auf den Sohlen ihrer Schule angebracht, um so zu erkennen, ob sie das Haus verlassen hatte.
 
Ein sexy Outfit ist eine Todsünde in den Augen eines Menschen mit Eifersuchtwahn.
 

Wenn du auch nur im Ansatz bei diesen Beispielen an deine Beziehung denkst, sollten bei dir die Alarmglocken schrill läuten und ernsthaft über professionelle psychotherapeutische Hilfe nachdenken.

 

Gewalttätigkeit

Menschen mit Othello-Syndrom haben oft eine Alkoholsucht oder sind an Depressionen oder anderen psychischen Störungen erkrankt. Das verstärkt ihre Wahnvorstellungen.
 
Da die Betroffenen vermeintlich betrogen werden, kocht in ihnen eine unbändige Wut hoch, die sich in Gewalttätigkeit entladen kann.
 
Spätestens jetzt muss über psychologische Hilfe und eine Therapie nachgedacht werden. In einer solchen Beziehung sind es beide, die unter der wahnhaften Eifersucht leiden.

Was bedeutet der Eifersuchtswahn für deine Beziehung?

Solltest du als Lebensgefährte eines Betroffenen diesen Artikel lesen, ist vielleicht deine Beziehung und dein ganzes Leben von seiner psychischen Störung überschattet. Deine Gefühle für ihn, deine Liebe. Gewaltausbrüche stehen an der Tagesordnung, Tätlichkeiten ebenso.

Einfache und gutgemeinte Tipps, wie du dich verhalten könntest, bringen dein Leben nicht wieder in Ordnung. Menschen im Wahn leben in einem unzugänglichen Kokon.

Nimm dein Beziehungsglück in die eigene Hand und bekämpfe krankhafte Eifersucht, bevor die Beziehung zerbricht.

Wer sich als Partner nicht den Forderungen des Betroffenen beugt, hat dauerhaft Stress. Wer sich beugt, dessen persönliche Handlungsfreiheit ist stark eingeschränkt.

Dessen „Checking“ muss man erst einmal aushalten können: Das öffnen von eMails und Kurznachrichten. Das Durchscrollen des Facebook-Profils. Das Durchwühlen von Taschen, das Absuchen von Kleidung nach fremden Haaren. Möglicherweise den Privatdetektiv.

Es gibt Menschen, die das aushalten. Doch ist die Liebe tatsächlich so groß, dass man diesen mentalen Missbrauch erträgt? Oder stecken andere – vielleicht sicherheitsrelevante, vielleicht masochistische – Bedürfnisse dahinter, sich trotz aller Einschränkungen nicht zu trennen?

Rechtfertigungsorgien

Mit einem „Othello“ ins Gespräch zu kommen, ist schwierig. Schließlich wird dieser Wunsch nach einem Gespräch als Ablenkungsmanöver verstanden.

Kaum hat man den Wunsch nach Gespräch ausgesprochen, ist man wieder in der Rechtfertigung. Wieder muss man erklären, dass es nicht darum geht, eine Affäre zu vertuschen. Zum x-ten Mal.

So hoffnungslos es klingt, aber für die meisten Menschen bleibt nur der Notausgang Trennung.

Nicht jeder erlaubt es sich zu gehen, denn schließlich lässt man einen erkrankten Mensch zurück. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Aber vor die Hunde zu gehen ist sicherlich keine Alternative.

Wie lässt sich das Othello-Syndrom heilen?

Bei dem Othello-Syndrom handelt es sich nicht um Marotte des Gehirns, sondern um eine Psychose, die oft mit Depressionen oder Suchtkrankheiten einhergeht.

Man sollte diese schwere Form von Eifersucht also ernst nehmen und bei einer psychotherapeutischen Behandlung Hilfe suchen. Doch leider wollen sich die Betroffenen nicht eingestehen, dass die Affären ihrer Partner eingebildet sind. Und so riskieren sie das, woran ihnen so viel liegt: an der Beziehung mit genau diesem Menschen, der ihnen so viel bedeutet.

Zu Beginn kann der Betroffene noch versuchen, seine eifersuchtsgesteuerten Handlungen zu meiden: Unbegründete Vorwürfe und Beleidigungen des Lebensgefährten zu unterlassen und das Kontrollieren dessen persönlicher Sachen.

Wenn sich der Erkrankte noch im Griff hat und diese Dinge steuern kann, gibt es eine kleine Chance, ohne Behandlung von dieser wahnhaften Störung loszukommen.

In diesem Artikel findest du alles über emotionale Nähe und Verbundenheit zu erfahren.

Psychotherapeutische Behandlung

Bei schwereren Formen muss eine Psychotherapie in Anspruch genommen und eventuell Medikamente hinzugezogen werden, um der betroffenen Person zu helfen und gegebenenfalls die Beziehung zu retten. Tipps aus dem Internet reichen hier kaum.

Entscheidend für den Therapieerfolg ist letztlich auch die Ausprägung der Symptome. Als Methoden kommen vertrauensstützende Gespräche und Psychotherapie in Frage.

 

In der Psychotherapie wird versucht, das Selbstwertgefühl des Patienten zu stützen oder es werden Verlustängste aufgearbeitet, die in der Kindheit entstanden sind.

 

Sollte der Eifersuchtswahn von Alkoholismus oder einer anderen Sucht begleitet werden, muss der betroffene Patient bei der Behandlung begleitend entwöhnt werden.

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