Glaubenssätze​ und Überzeugungen​

Unsere innere Führung

Keiner sieht sie, aber sie sind ständig da: unsere Glaubenssätze! Wie entstehen sie? Wie wirken sie?

Glaubenssätze - unsere innere Führung

Unter dem Sammelbegriff „Glaubenssätze“ versteht man die Summe aller bewussten und unbewussten Überzeugungen eines Menschen. Landläufig spricht man auch von ‚Einstellungen‘, ‚Meinungen‘ oder eben ‚Überzeugungen‘.

Also im weitesten Sinne all unsere subjektiven Gedanken im Gegensatz zu objektiven Tatsachen.

Glaubenssätze sind unsere Gedanken über die Welt, unsere Mitmenschen und sich selbst. Es sind Gedanken, die wir glauben und für wahr halten.

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An dieser Stelle ein kleines Gedankenexperiment, das nur im ersten Moment abwegig erscheint.

Überall auf der Welt geht die Sonne am Morgen auf und am Abend unten. Überall fließt Wasser bergab. Überall fallen schwere Gegenstände senkrecht von oben nach unten. All das folgt Naturgesetzen.

Überall auf der Welt haben die Menschen Grundbedürfnisse. Sie haben Hunger und wollen körperlich unversehrt bleiben. In Würde leben. Sicherheit haben. Frei entscheiden können.

Aber nicht überall auf der Welt glauben die Menschen an denselben Gott oder überhaupt an einen Gott. Manche Menschen lieben Personen des anderen Geschlechts, manche des gleichen Geschlechts.

Nicht überall auf der Welt ist es den Menschen wichtig, von morgens bis abends für Lohn zu arbeiten oder pünktlich zu sein. Einige rülpsen bei Tisch – aus Höflichkeit, andere rülpsen nicht bei Tisch – aus Höflichkeit. Betrachtet man das Leben auf der Erde auf diese Weise, dann scheint es Dinge zu geben, die immer und überall gleich sind. Und es scheint Dinge zu geben, die mit uns als denkende kulturelle Wesen zu tun haben. Dinge, innerhalb einer Gemeinschaft gleich gesehen werden.

Es sind die Dinge, die einer Gemeinschaft wichtig sind und die durch Regeln und Gesetze den einzelnen zu einem bestimmten Verhalten „zwingen“. Viele dieser Verhaltensregeln sind uns in unserer Kindheit anerzogen worden.

Glaubenssysteme

Die individuellen Glaubenssätze einer Person passen inhaltlich gut zusammen. So kommen fremdenfeindliche Gedanken und fremdenfreundliche Überzeugungen selten in einer Person zusammen. Jeder passt auf, dass all seine Gedanken schön zusammenpassen.

Ein anderes Beispiel ist die Überzeugung, dass man in der Kindererziehung streng sein muss, damit aus dem Nachwuchs etwas wird. Diese Einstellung verträgt sich nicht mit einer Wird-Schon-Werden-Haltung. Glaubenssätze wie „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ oder „Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“ hört man eher aus dem Mund eines streng erziehenden Menschen.

Im Laufe unseres Lebens pflücken wir hier und da Gedanken und Ideen auf, die zu uns passen, sammeln sie und geben sie als „unsere“ Meinung wider. Sie bilden eine Wolke ähnlicher Gedanken. Nüchtern betrachtet: Wir als Individuen sind Körper plus Gedanken-Cluster.

Wir sind nicht deshalb besondere Menschen, weil wir im richtigen Laden shoppen gehen oder den richtigen Sport machen, sondern weil wir in einer bestimmten Art und Weise gesehen werden wollen. Von uns selbst und von unseren Mitmenschen.

Deshalb gehen wir in bestimmte Läden, suchen uns deshalb bestimmte Klamotten aus, suchen uns deshalb eine bestimmte Sportart aus oder suchen uns bestimmte Menschen als Freunde und Bekannte – alles muss zu unseren Glaubenssätzen passen. 

Von der Theorie zur Praxis

Glaubenssätze

Jede Theorie ist grau. Vertiefe dein Wissen und lerne, wie Glaubenssätze im Alltag wirken. Eine praktische Übung.

Wie funktionieren Glaubenssätze?

Glaubenssätze haben eine ordnende Funktion, indem sie den Dingen, die wir wahrnehmen, eine Bedeutung geben. Erst durch sie wird unser Leben sinnvoll bzw. sinnlos.

Mit ihrer Hilfe lassen sich Zusammenhänge und Ursachen zu erklären (z.B. „Das liegt bei uns in der Familie.“), Handlungsweisen rechtfertigen („Ich muss auch mit anderen Frauen schlafen können, sonst fühlte ich mich in meiner Freiheit eingeengt“) oder setzen uns Grenzen, innerhalb der wir uns sicher fühlen („Ich darf mich nicht wehren, sonst gibt es Ärger, den ich nicht aushalte.“).

Glaubenssätze geben uns Sicherheit, Orientierung und sie engen uns ein.

In ihrer Gesamtheit sind Glaubenssätze das innere gedankliche Milieu eines jeden Menschen. Sie verantworten unser Verhalten, unsere Verhaltensmuster und körperliche Reaktionen. Da alles Denkbare gedacht werden kann und der Mensch ein immenses Lernpotential mit auf die Welt bringt, entstehen Abertausende einzigartiger Individuen mit ihren ganz eigenen Glaubenssatz-Kombinationen und ihren ganz eigenen Wahrheiten.

Was ist Wahrheit?

Wahr ist das, was du glaubst, was wahr ist.

In den meisten Fällen wird zwischen Wirklichkeit/ Realität und Wahrheit kein Unterschied gemacht. Insofern ist der vorausgehende Satz sicherlich verwirrend: schließlich sind Wirklichkeit und Wahrheit ein und dieselbe Sache.

In einer Welt ohne Gedanken wäre das auch so. Gäbe es nur Tiere und Pflanzen auf der Welt, wäre all das, was passiert, Wirklichkeit und Wahrheit.

In einer Welt mit Menschen und ihren Gedanken passiert etwas anderes: Die Gedanken, die wir glauben, trennen uns von der Realität und den Tatsachen.

Wahr ist das, was wir glauben. Während unser Partner bei der Arbeit ist, können wir vor unserem geistigen Auge sehen, wie er fremdgeht. Diese Vorstellung ist so real, dass wir mit Verlustangst und Herzrasen reagieren.

Wahr ist das, was du glaubst, wahr zu sein. "Wahrheit" ist zutiefst menschlich.

Für uns, die wir eifersüchtig sind, ist das wahr. Egal wie klein oder groß die Eifersucht ist.

Es geht auch andersherum. Deine Partnerin flirtet für jeden offensichtlich mit einem attraktiven Mann. Nur du siehst es nicht.

Oder willst es nicht sehen. Du leugnest zu sehen, was offensichtlich vor deinen Augen passiert. Deine Wahrheit lautet: Alles ok!

Zwei Menschen, zwei Wahrheiten. Bei Konflikten geht es darum, den anderen auf seine Wahrheit zurechtzustutzen. In einer Welt, in der Widersprüchlichkeit nicht akzeptiert wird, können wir uns auf zwei Wahrheiten nicht einlassen.

Die Realität

Wir müssen trennen zwischen Fakten/Realität hier und subjektiver Wahrnehmung, sprich Gedanken dort. Um beides besser unterscheiden zu können, lass uns einen kleinen gedanklichen Umweg machen.

Überall auf der Welt fallen Äpfel vom Baum auf den Boden. Solche Tatsachen sind Teil einer objektiven Realität.

Doch sind diese „knallharten“ Tatsachen nur ein kleiner Ausschnitt unserer Wirklichkeit.

Hinzu kommt noch eine menschengemachte, menschengedachte Realität. Diese Realität ist nur eine gesellschaftliche Übereinkunft. Alle Menschen dieser Gemeinschaft denken gleich oder zumindest ähnlich. Für die Menschen aber fühlt sich diese Realität natur- oder gottgegeben an.

In einer benachbarten Gesellschaft hat diese Realität keine Gültigkeit mehr.

Alle Kulturen haben ihre Werte, die wie Naturgesetze behandelt werden.

In unserer Gesellschaft hat die Einteilung der Zeit und damit verbunden die „Pünktlichkeit“ einen immensen Stellenwert und kein Mensch kommt auf die Idee, Pünktlichkeit in Frage zu stellen.

Pünktlichkeit ist keine bio-physikalische Tatsache, sondern eine gedankliche Übereinkunft zwischen den Menschen. Es ist eine „subjektive Tatsache“. Doch je mehr Menschen dasselbe denken, desto mehr fühlt es sich nach Ojektiviät an.

In manchen Kulturen spielt Pünktlichkeit keine Rolle. Sie haben andere „objektive Wahrheiten“.

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Ursprung von Konflikten

Wir leben in einer Welt, von der wir fälschlicherweise glauben, dass sie auf allgemeingültigen Tatsachen fußt. Doch nur die allerwenigsten Tatsachen gelten für alle Menschen auf der Erde. Es sind die naturwissenschaftliche Sachverhalte.

Die allermeisten „Tatsachen“ sind eigentlich Fakten, also kulturgültiges Wissen innerhalb einer Gemeinschaft oder Gesellschaft. Je mehr Menschen an diese Fakten glauben, desto objektiver fühlen sie sich an. Geschichte, wie sie in Geschichtsbüchern gelehrt wird, sind keine Tatsachen, sondern Fakten, die in den Geschichtsbüchern des Nachbarlandes ganz anders interpretiert werden. Recht haben beide Nationen. Jede auf ihre Art.

Das Fundament dieser menschengemachten Fakten sind unsere Gedanken, sprich unsere Glaubenssätze. Sie sind auch die Ursache für unsere Streits und Enttäuschungen über den Partner.

Es ist fatal anzunehmen, dass wir alle in einer Welt leben und jeder von uns sie genauso sieht wie wir selbst – bis auf die kleinen neurotischen Abweichungen des Gegenüber.
Diese Vorstellung ist deshalb fatal, weil jeder von sich glaubt, mehr in der Realität zu leben als sein Nachbar. Auch in den meisten Ehestreits geht es darum, wer mehr mit beiden Füßen in der Welt steht. Wer die Fakten richtiger sieht. Wer mehr recht hat.

Der Partner wird vorgeworfen, ein realitätsferner Tagträumer zu sein.

Im Grunde genommen ist Schönreden dasselbe wie Schlechtmachen. Nur andersherum. Es geht gar nicht anders, denn wir erdenken uns die Welt.

Anstatt zu versuchen, unseren (Konflikt-)Partner zu überzeugen, wie richtig unsere Sicht auf die Dinge ist, sollten wir lernen zu akzeptieren und auch zu schätzen, dass sowohl unsere als auch die Welt des anderen getragen wird von ganz individuellen Glaubenssätzen. Und dass wir alle in einer Blase aus Glaubenssätzen leben – jeder für sich, jeder auf seine Art.

Das wäre der Beginn einer Lebensweise, in der es nicht darum geht, den anderen in seine Welt zu ziehen, sondern um das Entgegenkommen und das verständnisvolle Verstehen, dass auch der andere wie man selbst seine Welt aus lauter Glaubenssätze konstruiert.

Innerhalb unzähliger Paare erwarten viele Partner, der der jeweils andere unsere Sicht auf die Dinge übernimmt oder zumindest akzeptiert. Der Partner sollte einen verstehen wollen. Damit das passiert, sollten wir auch die „unverständlichen Handlungsweisen“ des Partners als Teil seiner Welt verstehen wollen. Um das zu verinnerlichen, hat mir die Arbeit als Coach für The Work of Byron Katie sehr geholfen.

Gedanken sind neutral

Wahrheit beginnt also beim Denken, bei unseren Gedanken. Wie sehen etwas und machen uns unsere Gedanken. Wir bejahen oder verneinen. Wir glauben das, was wir denken, oder glauben es nicht.
 

Zunächst einmal sind Gedanken neutral. So kann jeder von uns den Gedanken haben: „Es gibt einen Gott!“

Atheisten werden im ersten Moment schlucken und sagen, das stimmt nicht. Aber genauso gut kann jeder denken: „Es gibt keinen Gott!“ Diesen Satz zu denken ist nicht leicht für gläubige Menschen.

Nicht jeder Gedanke ist wahr, aber Wahrheit ist immer ein Gedanke.

Erst in einem zweiten Schritt wird ein Gedanke zur Wahrheit oder Unwahrheit. Nämlich wenn wir überlegen, ob wir einen Gedanken glauben sollen/können oder nicht.

Manchmal – z.B. in einem Gespräch – hören wir eine Idee oder wird uns etwas Seltsames berichtet, und wir wissen nicht so recht, ob wir es glauben sollen.

Wir überlegen hin und her und treffen eine Entscheidung. Entweder sagen wir uns, nein, das kann nicht wahr sein. Oder wir sagen uns: Das stimmt, das glaube ich – und mit einem Mal haben wir eine neue Wahrheit.

Also nicht der Glaube, sondern das Glauben entscheidet darüber, ob etwas für uns wahr ist oder nicht.

Kein anderer deutscher Begriff könnte diesen Sachverhalt besser beschreiben als der Begriff Glaubenssatz.

Mentales Stressmanagement

Das Buch stellt die Selbsthilfe-Methode „The Work of Byron Katie“ vor. Bei dieser Methode kannst du deine Glaubenssätze mit 4 Fragen und 3 Umkehrungen hinterfragen und mit ein bisschen Übung deine negativen Glaubenssätze loslassen.

Glaubenssätze und Beziehungen

So, wie unser ganzes Leben von unseren individuellen Glaubenssätzen geprägt ist, so machen diese auch nicht vor unseren Beziehungen mit anderen Menschen halt. Wir haben bestimmte Vorstellungen und Erwartungen an unseren Partner. Oftmals treiben uns diese Überzeugungen in die Angelegenheit des Partners, der unser Verhalten übergriffig findet und uns böse zurechtweist.

Und wir selbst sind enttäuscht, wenn er oder sie unsere Erwartungen nicht erfüllt. Der Erwartungshorizont sind Glaubenssätze wie: „Lukas sollte sich besser kleiden“ oder „Eva sollte weniger streng mit den Kindern sein.“

Eine ganze Liste solcher Glaubenssätze habe ich zusammengetragen, damit du dir ein Bild davon machen kannst, wie allgegenwärtig diese Glaubenssätze sind.

Auch wenn es sich im ersten Moment abwegig anhört, sind unsere Glaubenssätze auch für unsere Gefühle verantwortlich. Denn sobald wir etwas in unserer Welt wahrnehmen, geben wir ihm eine Bedeutung. Vereinfacht ausgedrückt überlegen wir: Ist es gut für uns? Ist es schlecht für uns?

Wenn es gut ist, freuen wir uns. Wenn es schlecht ist, werden wir wütend. Vor jedem Gefühl steht stets eine gedankliche Beurteilung. Einer solchen Beurteilung werden auch die Handlungen unserer Partner unterzogen.

Wer den Umgang mit seinen Enttäuschungen lernen will, der muss seine Glaubenssätze kennenlernen.

Aber es geht nicht immer nur um die Glaubenssätze, die ich über den Partner oder über Partnerschaft habe, sondern auch über die Meinung, die ich über mich selbst habe.

In einer meiner Umfragen hat sich gezeigt, dass sich viele Menschen, die sich mehr emotionale Nähe mit dem Partner wünschen, diese deshalb bekommen, weil sie diesen Wunsch gar nicht äußern oder ansprechen.

Dahinter steckt die Überzeugung, dass sie sich mit Wünschen und Erwartungen aufdrängen dürfen.

Wer sich eine erfüllende Partnerschaft mit mehr emotionale Nähe wünscht, der muss seine Glaubenssätze überprüfen: über sich, über seinen Partner und über Beziehung allgemein.

Leider leben viele von uns nur ihr halbes Potential. Leider sind diese Ressourcen durch unbewusst limitierende Glaubenssätze aus unserem bewussten Leben verbannt worden. Sie können aber durch Schattenarbeit, die sich intensiv mit Glaubenssätzen beschäftigt, wiederbelebt werden.

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