Emotionale Nähe und Verbundenheit herstellen

Emotionale Nähe und Verbundenheit / Image by Serhii Chernetskyi

Das Elexier glücklicher Beziehungen

Emotionale Nähe herstellen

Emotionale Vernachlässigung und Lieblosigkeit triggern unsere Angst, verlassen zu werden. Mutlosigkeit, Eifersucht oder das Gefühl von Wertlosigkeit füllen das entstandene Loch. Doch was ist eigentlich emotionale Nähe? In diesem Artikel lernst du, wie emotionale Verbundenheit zu einem Mann oder einer Frau wieder herstellen kannst.

Share on email
Share on print
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Gefühle, Liebe und Intimität

Zu Beginn einer Beziehung ist das Leben wunderbar, es ist leicht und fließend. Das Miteinander wie selbstverständlich. Wir fühlen uns mit dem geliebten Menschen emotional und mental verbunden wie mit keinem anderen Menschen. Der Sex ist wirklich das Größte.

Leider wird im Laufe der Zeit aus der wundervollen Nähe Distanz und wir vermissen Gefühle, Liebe und Intimität. Aus der gefühlten Distanz heraus bekommen wir Angst, den Partner zu verlieren. Wir werden eifersüchtig, sobald er sich auch wieder für andere Menschen interessieren könnte.

Paare leben sich auseinander. Die Unterhaltung wird langweilig, die geistige Distanz groß und die körperliche Intimität lau. Emotionale Bindung wollen am Schluss beide Partner zwar aufbauen. Doch gelingt’s kaum und ein Tantra-Workshop wird zur Option.

Doch ist emotionale Verbundenheit nicht allein körperliche Intimität, auch wenn es die Frau oder der Mann unterschiedlich erleben. Beim Mann kann aus Sex eine gefühlte Verbundenheit werden. Bei der Frau kann aus gefühlter Verbindung Sex werden.

Nähe-Erleben fängt bei jedem selbst an. Sie ist die Voraussetzung, um überhaupt Gefühle zu empfinden und wahrzunehmen. Kein Mensch kann emotionale Nähe oder Verbundenheit zu seinem Partner herstellen, wenn sie keine Nähe zu sich selbst erleben können.

Wie geht emotionale Nähe verloren?

Ohne Ausnahme hat jeder von uns bestimmte Vorstellungen, wie sein Idealpartner zu sein hat. Was die äußerlichen und was die inneren Werte betrifft. Diese Vorstellungen sind eine lange Liste von Überzeugungen und Glaubenssätzen über Beziehung. Sie stellen eine Art „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ einer Beziehung.

Zu diesen Glaubenssätzen und Überzeugungen gehören allgemeine Urteile über Männer und Frauen („Männer denken nur an das eine!“ oder „Frauen nörgeln ständig rum!“). Es sind Urteile, die man als Klischees über das andere Geschlecht kennt.

Und es sind die Glaubenssätze über uns selbst wie „Ich genüge nicht“ oder „Der richtige Partner für mich muss erst noch gebacken werden!“
 
Kein Mann oder keine Frau kann mit solchen Gedanken im Hinterkopf emotionale Nähe herstellen. Wenn der richtige Partner erst noch gebacken werden muss, dann denkt man gleichzeitig, dass es der aktuelle Partner nicht ist
 

Wenn wir glauben, dass wir dem Partner nicht genügen, lassen wir uns nicht mit vollem Herzen auf Nähe ein.

Hier findest du eine Liste mit insgesamt 50 negativen Glaubenssätzen über Beziehung und über sich selbst.

Online-Kurs "Glaubenssätze loslassen"

ONLINE-KURS "Glaubenssätze loslassen"

Dieser ONLINE-KURS hilft dir, destruktive Glaubenssätze zu bearbeiten und zu überwinden.

Diese Klischees, die durch unseren Hinterkopf geistern, verhindern in vielen Beziehungen eine emotionale Verbundenheit aufzubauen, sobald die Dämmerung der großen Verliebtheit beginnt.
 
Zu dieser Liste unwürdiger Klischees gehören nicht nur pauschale Vorurteile über das andere Geschlecht, sondern auch die konkreten Vorstellungen über den Lebensgefährten: Wie er sich in der Beziehung verhalten sollte. In der Zweisamkeit, beim Besuch von Freunden und Gästen, gegenüber den Kindern, beim Sex. Auch was er denken sollte.

Wer sich liebt, hinterfragt nicht

In der Zeit des Verliebtseins leben leicht und beschwingt. Wir erzählen von uns, lassen uns das Leben des neuen Lebensgefährten erzählen – aber hinterfragen weder uns noch ihn.

Doch nur weil wir nicht kritisch mit unseren Partnern umgehen, heißt das noch lange nicht, dass wir ohne Vorurteil und Meinung sind. Wir blenden es nur kurze Zeit aus. Das ist der Tribut, den wir zahlen müssen für unsere vorübergehende Glückseligkeit.
 

Mit verschiedenen Kriterien im Herzen und im Kopf begegnen wir Menschen, die für uns als möglicher Partner interessant sind. Unser Unbewusstes geht diese Checkliste durch, ganz unromantisch.

Suchende mit Ein-Wort-Listen wie ‚Blond‘ oder ‚Groß‘ finden schnell einen Partner. Aber auch sie merken irgendwann, dass sie eigentlich mehr erwarten – nur kennen sie ihre Kriterien nicht. Es fehlt an Achtsamkeit sich selbst gegenüber.

Werden die Kriterien bei der unbewussten Prüfung nicht erfüllt, fällt der potentiell neue Partner durch den Rost.

Das klingt ernüchternd und kein bisschen nach Liebe. Es klingt unromantisch.

Und angesichts der vielen gescheiterten Beziehungen klingt es vor allem nach Listen, die auf den neuesten Stand gebracht werden müssen.

Es lohnt für die aktuelle Beziehung und für eventuell folgende, sich seine Liste mit wichtigen Glaubenssätzen einmal anzuschauen. Die Fragen, die uns zu unseren Gedanken führen, lauten: Was denke ich im allgemeinen über Männer/Frauen? Was erwarte ich im speziellen von meinem Partner?

Erwartungen schaffen Distanz​

Liebe passiert. Wir können sie weder herbei- noch wegzaubern. Nicht wenige verliebte Menschen verbieten sich Gespräche über Erwartungen an ihren Partner. Es könnte etwas ausgesprochen werden, was die Beziehung in Schieflage bringt.

Ohne Gespräche gerät die Beziehung in Schieflage, weil nichts angesprochen wird. Unsere Erwartungen bleiben, auch wenn wir sie nicht aussprechen.

Erwartungen, die der Partner nicht erfüllt, schaffen Frust und Distanz statt emotionale Nähe.

Die Enttäuschung über unbefriedigte Wünsche und Bedürfnisse ist groß.

Es geht nicht um die Wünsche nach einem neuen Auto oder einer Reise in die Karibik, sondern über beziehungsstiftende Bedürfnisse.

Das Bedürfnis nach Nähe, nach Berührung und Intimität. Nach gutem Sex – aber was ist guter Sex, wenn wir nicht darüber reden? Jeder sieht es anders.

Wer nicht miteinander redet, muss vieles über sich ergehen lassen.

Unsere Erwartungen und Vorstellungen, unsere Bedürfnisse und Urteile haben sich schon früh wie Gäste mit Dauerkarte einquartiert. Und sie bleiben über all unsere Beziehungen hinaus bei uns. Höchste Zeit, sich um sie zu kümmern.

Wer als Paar nicht miteinander redet, muss vieles über sich ergehen lassen.

Wenn es mit der emotionalen Verbundenheit nicht ohne Gespräch klappt, ergeben sich Männer und Frauen mit hängenden Schultern ihrem Schicksal.

Die einen schweigen, die anderen schreien. Beide verzweifeln und werden gemeinsam alt.

Ob man schreit oder schweigt – so kommt sich kein Paar nah.

Was verhindert Nähe?

Verbundenheit in Beziehungen verhindern wir durch das Bedürfnis nach Kontrolle, nach Perfektion und Selbst-Optimierung – geboren aus Angst, nicht geliebt zu werden.

Der Wunsch, die Dinge wirklich perfekt zu machen, stresst und überfordert uns, weil Perfektionismus die Latte ständig höher hängt.

Perfektionismus

Alle, die sich Perfektionismus auf die Fahne geschrieben haben, erleiden die Qualen des Tantalus. Von den Göttern bestraft sollte er auf alle Ewigkeit in einem kleinen Teich stehen und an unstillbarem Durst und Hunger leiden.
 

Sobald er sich bückte, um Wasser zu schöpfen, wich das Wasser zurück. Wenn er nach den Olivenzweigen über ihm griff, wichen die Äste zurück. Tantalus konnte weder seinen Durst noch Hunger stillen.

Wir wollen perfekt schlank sein, perfekt glatte Haut haben. Gebildeter sein. Wir wollen sportlicher sein, mehr Geld haben und es vor allem allen zeigen. Wir wollen mehr reisen oder Urlaub haben, um besser dazustehen und bei unseren Freunden mitreden zu können. Wir wollen die Familienfeste perfekt ausrichten, die Mitarbeiter perfekt führen. Wir wollen perfekt perfekt sein.
 
Gefühle haben dabei nichts verloren.
 
Wer weiß schon, wie der perfekte Zustand aussieht? Für die meisten Menschen ist es nur ein Motivationsanreiz, den sie nach dem Karotten-Prinzip vor sich herhalten. Dieser Möchte-Gern-Anreiz ist gleichzeitig unheilvoll, weil wir uns durch diese Prinzip selbst klein machen. „Verzeiht mir, ich bin nicht perfekt. Aber beim nächsten Mal werde ich es besser machen.“
 
Perfektion ist immer größer als wir es sind.
 
Es ist ein Unterschied, ob man sagt: „Das hätte ich besser machen müssen!“ oder „Das hätte ich anders machen können!“ Wir machen uns zum Tantalus, sobald wir glauben, dass wir es hätten besser machen können.
 

Perfektion ist ein anderer Ausdruck für Unerreichbarkeit.

Jedes Verlangen, die Dinge perfekt oder perfekter (was für eine Steigerung!) zu machen, geht hervor aus dem Gefühl hervor, dass wir nicht in Ordnung sind.

Mangelndes Selbstwertgefühl

Wir sehnen uns danach, uns zu lieben. Das aber wollen wir uns erst gönnen, wenn wir die Weltreise hinter uns haben oder beruflich besser dastehen. Wenn das nächste Auto schneller fährt. Wenn wir beim nächsten Marathonlauf unter den zehn Besten sind. Wenn die Oberschenkel nicht mehr schwabbeln. Wir besser riechen und einen schöneren Augenaufschlag haben. Wenn das Haar elastisch im Wind liegt.

Die Sehnsucht nach Selbstliebe treibt uns an, uns selbst zu optimieren. Wir vertrösten die hungernde Seele auf die nächste Woche, den nächsten Monat, das nächstes Jahr. Bitte nur noch eine Runde Optimierung.

Es ist paradox. Selbst wenn uns die anderen bewundern für was auch immer: Wir können ihre Bewunderung und Liebe gar nicht wahrnehmen und annehmen, solange wir uns selbst nicht lieben.

Ohne Selbstliebe haben wir kein Gefühl für die Liebe, die uns ein anderer Menschen schenkt. Statt dessen werden wir eifersüchtig.

Wie eifersüchtig bist du? Der Eifersucht-Test.

Zum Test

Ohne Selbstliebe werden wir schnell eifersüchtig. Wo stehst du?
Teste deine Eifersucht. Gratis. Unverbindlich.

 

Dann halten wir die Wertschätzung und Anerkennung und Liebe für freundliche Täuschungsmanöver. Wer sich selbst nicht liebt, kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, geliebt zu werden. WEr sich selbst nicht fühlt, kann auch die Nähe des Partners nicht fühlen.
 

Die Bewunderung durch andere ist ohnehin ein schlechter Ersatz für Liebe. Die Bewunderung kann Selbstliebe nicht ersetzen.

Unsere Seele braucht keinen optimierten Menschen, sondern braucht uns so wie wir sind. Unsere Seele will keine Maschine lieben, die von anderen bewundert wird.

Perfektionismus hängt die Latte immer höher.

Seelen lieben Seelen, die unvollkommen sind. Wir sind vollkommen unvollkommen. Wie die Natur. Kein Adler will schärfer sehen, kein Gänseblümchen größer wachsen.

Die Stärke des Menschen ist seine Anpassungsfähigkeit und Flexibiliät. Das ist Fluch uns Segen zugleich. Doch anstatt uns täglich neu und flexibel auf die Überraschungen zu reagieren, quetschen wir uns ins Korsett der Optimierung.

Distanzlosigkeit

Sie entsteht, wenn wir nicht klar trennen zwischen deinen und unseren eigenen Angelegenheiten. Wenn wir die Aufgaben, die jeder von uns hat, durcheinander bringen.

Viel zu oft sind wir durch unsere Erwartungen gedanklich in der Angelegenheit anderer Menschen.
 
Mal angenommen, wir wünschen uns von unserem Partner, dass er mehr Zeit mit uns verbringt. Da unser Lebensgefährte aber keine Anstalten macht, von sich aus mehr Zeit mit uns zu verbringen, wird unser Wunsch immer größer.
 

Wie fühlt sich das an? Du wünschst dir zwar mehr gemeinsame Zeit, aber er oder sie will nicht. Am liebsten würdest du den Partner komplett umkrempeln – oder zumindest ein bisschen.

In einem solchen Momenten, in dem du deinem Partner erwartungsvoll gegenüber stehst und ihm mit deiner (dringenden) Bitte näher auf die Pelle rückst: Fühlt es sich nach Nähe oder Distanz an? Fühlst du dich ihm nah?

Distanzlosigkeit entsteht, wenn wir unseren Partner nicht annehmen, wie er ist. Wenn wir ihn mit unseren Erwartungen aufblähen und ihn zu einem Menschen machen, der sich uns verweigert.

Mit unseren Forderungen und inständigen Bitten sind wir distanzlos. Reagiert unser Partner aber nicht, gehen wir frustriert auf Distanz.

Selbstverantwortung

Selbstverantwortung setzt voraus, eine Wahl zwischen wenigstens zwei Optionen zu haben. Was die emotionale Nähe betrifft, müssen wir uns entscheiden können, ob wir sie wollen oder nicht wollen.

Wir können uns mit einem Menschen angstfrei verbinden, wenn wir gleichzeitig wissen, dass wir die Verbindung jederzeit wieder lösen können.

Wenn wir Angst haben, uns in emotionaler Verbundenheit mit dem anderen Menschen zu verlieren, lassen wir uns gar nicht erst auf ihn ein.

Genausowenig, wenn wir durch Druck zu Nähe gezwungen werden.

Emotionale Nähe braucht den souveränen Umgang mit Nähe und Distanz, mit Verbindung und Trennung.

Auch wer Angst vor Trennung hat, lässt sich nur ungern auf einen Partner ein.

Was bedeutet Nähe zu sich selbst?

Nähe zu sich selbst bedeutet sich selbst zu spüren: Seine Gefühle wahrzunehmen und zu leben. Seine Bedürfnisse zu fühlen und für ihre Befriedigung zu sorgen. Um seine starken und schwachen Seiten ‚hautnah‘ zu erleben.

Es bedeutet Verständnis für sich selbst zu haben, ohne alles gut zu finden. Aber alles zu akzeptieren in der verständnisvollen Gewissheit, es zur Zeit nicht besser hinzukriegen.

Nähe zu sich bedeutet, seine unzumutbaren Seiten anderen Menschen zuzumuten. Ohne schlechtes Gewissen. Wir sind alle nur Menschen.

Nähe zu sich bedeutet nicht nur von menschlichen Schwächen zu reden, sondern sie zu leben und lieben. Sich anzunehmen.

Nähe zu sich bedeutet Spaß und Freude mit sich selbst zu haben.

Nähe zu uns erleben wir, wenn wir uns lieben für die einfühlsame Weise, wie wir mit unseren Kindern umgehen oder unserem Partner.

Wenn wir unsere kreativen Ideen wertschätzen.

Wenn wir unsere Schattenseiten annehmen: unsere Lügen nachsichtig belächeln und uns dafür entschuldigen.

Wenn wir unsere Ängste willkommen heißen, um mehr über uns zu erfahren und auch andere Gefühle nicht aus falscher Rücksicht zu unterdrücken.

Sich selbst nah zu sein bedeutet, seine Gefühle wie Wut und Angst zu spüren.

Wenn wir unsere beschränkten Möglichkeiten und Fähigkeiten als fast unerschöpfliche Fülle spüren und uns gern verschenken, ohne daran denken, dem Beschenkten irgendwann einmal eine Gegenrechnung aufzumachen.

Wir sind uns nah, wenn wir uns selbst genügen und uns als ein Glücksfall für uns erleben. Dann übrigens sind wir es auch für unsere Mitmenschen.

Bei sich selbst sein

Schalte deinen Verstand ab, höre auf deine Gefühle und achte auf deine Empfindungen. Nähe ist das Erleben und das Spüren seiner Gefühle und Bedürfnisse, unmittelbares und körperliches Empfinden.

Es ist das Spüren seiner Vitalität. Es ist ganz weit weg von Verstand und Denken. Nähe lässt sich nicht erdenken.

Mit einem gesunden Selbstwertgefühl kann jeder sein Kontrollbedürfnis loslassen. Er wird der Sprunghaftigkeit seiner Gefühle und seinen unerklärlichen Bedürfnissen wie Gedanken begegnen.

Mit mehr Selbstliebe werden wir unser Leben nicht mehr in bestimmte Richtungen steuern wollen, sondern lassen uns eher treiben. Aus Angst vor bösen Überraschungen wird Freude vor den Überraschungen. Was bringt das Leben?

Wir in der westlichen Welt leben durchgetaktet und haben längst verlernt, auf die Signale unseres Körpers zu hören. Der Verstand hat die Herrschaft über uns übernommen. Er verplant uns und ignoriert unsere Bedürfnisse. Wir leben vernünftig. Verplant.

Wir essen nicht, sondern ernähren uns. Wir essen nicht, was wir gerne essen würden, sondern essen, was aus ernährungsphysiologischer Sicht richtig ist. Keiner schmeckt die lebenswichtigen Inhaltsstoffe heraus, sondern er vertraut den gelesenen Informationen.

Der Geist simuliert Erfahrung, kann sie aber nicht ersetzen.

Kein Wunder also, wenn wir immer fetter werden, aber der Körper verhungert.

Gefühle muss man fühlen. Sie lassen sich nicht erdenken.

Auch im übertragenen Sinne. Die Seele verhungert, weil der Verstand als Werkzeug des Alltagsbewältigung keine intime Nähe herstellen kann.

Das kann auch keiner von unserem Verstand erwarten. Das wäre so, als würde man von einem Fisch erwarten auf Bäume zu klettern.

Aber wir erwarten es, weil wir verlernt haben, Gefühle zu fühlen.

Lerne dich selbst kennen

Die emotionale Verbundenheit zu einem Partner geht immer über die intime Nähe zu sich selbst. Die Selbstliebe ist der Grundstock für eine Verbundheit in Liebe. Und Nähe zu sich selbst haben ist keine Selbstverliebtheit.

Es gibt so viele Gründe, keine Nähe zu sich selbst aufzubauen und entstehen zu lassen. Unter anderem die Angst, die Mitmenschen könnten sich von uns als narzisstisches Ungeheuer abwenden.

Wenn du deine Glaubenssätze über Frauen und Männer kennenlernen möchtest, dann ergänze die folgenden Sätze so oft dir etwas einfällt:

Frauen/Männer sollen …

Frauen/Männer sind …

Wenn du wissen willst, welche Qualitäten dein Lebensgefährte in eure Partnerschaft mitbringen sollte, dann ergänze auch den nächsten Satz so oft es geht:

Mein Mann/meine Frau sollte …

Ist dir aufgefallen, dass dir Ergänzungen einfallen, die vielleicht dein jetziger Partner gar nicht mitbringt? Erwartest du vielleicht Eigenschaften, die er noch nie gezeigt hat und auf die du seit Jahren hoffst, dass er sie vielleicht noch entwickelt?

Solltet ihr vielleicht mehr miteinander reden?!

‚Reden‘ war noch nie die Stärke deines Mannes. Am Anfang fandst du das super, weil du einen guten Zuhörer hattest?!

Oder sollte deine Frau weniger reden? Aber sie wollte sich schon immer mitteilen und am Anfang fandst du das super, weil du einfach nur zuhören konntest? Nur mittlerweile ist es dir zuviel?

Vielleicht hast du zu Beginn eurer Liebe und Partnerschaft gedacht, dein Partner würde deine Kriterien emotionaler Verbundenheit erfüllen. Aber es hat sich als Trugschluss herausgestellt.

Im Streit wedelt man mit den imaginären „Geschäftsbedingungen“ vor der Nase seines Partners rum und wirft ihm schäbigen „Vertragsbruch“ vor.

Manchen kommt ihr Partner wie eine Mogelpackung vor.

Die allermeisten Partnerschaften beginnen als Liebesbeziehung mit inniger Nähe und emotionaler Verbindung. Es läuft wie von allein. Easy peasy.

Mit nachlassender Liebe verblassen auch körperliche und geistige Intimität. Die Distanz wächst.

Auf den ersten Blick scheint ein neuer Partner alles mitzubringen, was wir brauchen. Auf den zweiten Blick meinen manche auf die nächste Mogelpackung hereingefallen zu sein.

Verbindung mit sich herstellen

Nimm dich nicht länger zurück. Nimm deine Wünsche und Bedürfnisse wahr. Äußere sie, mute sie deinem Partner zu. Teile sie mit anderen Menschen. Viele von uns haben Angst, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, und sie glauben, Wünsche müssten vom Partner erfüllt werden. Automatisch. Warum sollten geäußerte Wünsche automatisch vom Partner erfüllt werden? Nicht jeder Partner kann bestimmte Wünsche erfüllen. Trotzdem muss man sie zumindest äußern dürfen.

Es ist nicht die Aufgabe deines Partners, deine Wünsche zu befriedigen. Es ist deine.

Byron Katie

Es ist halb so schwierig Bedürfnisse zu äußern, wenn du weißt, dass dein Partner sie nicht erfüllen muss. Und er nicht denkt, er müsste sofort eine Lösung parat haben.

Wünsche wollen erfüllt, ja, und Bedürfnisse wollen befriedigt werden, ja. Aber es ist nicht die Aufgabe des Partners, sie zu erfüllen, sondern es ist deine Aufgabe.

Wenn du der Meinung bist, dein Partner sollte deine Bedürfnisse erfüllen – weil du daran erkennst, wie sehr er dich liebt –, dann machst du dich abhängig von einem Menschen, der möglicherweise diese Bedürfnisse gar nicht erfüllen kann. Oder will.

Abhängigkeit hat nichts mit Liebe zu tun. Im Gegenteil. Und äußerliche Abhängigkeit schafft emotionale Distanz statt Nähe.

Kümmere dich selbst um deine Bedürfnisse

Wenn du die emotionale Verbindung zu deinem Lebensgefährten erneuern willst, dann teile deine Bedürfnisse, deine Sehnsüchte und deine heimlichen Leidenschaften bedingungslos mit.

Erwarte nicht von deinem Partner, dass er sich darum kümmert. Manche warten ein Leben lang. Vergeblich.

Und wenn es dir gelingt, dich frei und ohne Absicht zu äußern, bist du auch frei genug dich selbst um deine Bedürfnisse kümmern.

Befriedige deine Bedürfnisse selbst, genieße dein Leben, genieße dich selbst – und bring dich als glücklichen Menschen in die Beziehung ein. Dann kannst du auch eine glückliche Beziehung leben.

Wie stelle ich Nähe zum Partner her?

Mit Berührung. Umarmung. Durch Gespräche. Indem wir mitteilen, was uns bewegt. Indem wir all unsere Gefühle und Wünsche offenlegen. Uns offenbaren ohne Erwartung, dass der andere mehr macht als zuzuhören. Unsere Probleme mitteilen, ohne gleich Lösungen zu erwarten. Auch dem Partner zuzuhören, ohne für seine Probleme, Sorgen und Ängste gleich Lösungen anzubieten; das heißt Nähe herstellen.

Sowohl Betroffenheit als auch Verbundenheit entsteht, wenn wir uns verletzlich zeigen. Und wenn wir als Zuhörer den anderen in seiner Verletzlichkeit tragen und schützen. Seine Offenheit schätzen und sein Vertrauen würdigen.

Wir stellen Nähe her, indem wir dem anderen zuhören, als käme er von einem anderen Stern – voller Verwunderung über dieses einzigartige Wesen. Unser Partner ist nicht von sich aus einzigartig, sondern wird es durch unser Zuhören.

Emotionale Nähe stellen wir her, indem wir uns bannen lassen von Begegnungen, als wäre es unsere letzte. Wenn wir uns selbst loslassen und uns nicht mehr wichtig nehmen, dann können wir nicht nur wahrhaftig zuhören, sondern auch Nähe herstellen.

Unser Partner ist nicht von sich aus einzigartig, sondern wird es durch unser ungeteiltes Zuhören.

Lass dich davon nicht abschrecken. Wie willst du die Nähe des anderen Menschen spüren, wenn du dich noch nicht einmal selbst spürst.

Fang bei dir an. Akzeptiere dich, wie du bist. Das Internet ist voll mit Möglichkeiten, Programmen und Selbstlern-Kursen, die dir helfen, mehr Selbstliebe und ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Wenn du Angst hast, belächelt zu werden, zieh dich zurück und mach deine Reise ins Innere erst einmal allein.

Selbsterfahrung ist eine aufregende Reise zu sich selbst. Manchmal eine Art Abstieg in seinen Seelenkeller mit den berühmt-berüchtigten Leichen.
 

Wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich ihre Gefühle wegrationalisiert haben, dann ist die neuerliche Begegnung mit seinen Empfindungen und Gefühlen quasi eine Nahtod-Erfahrung.

Miste alte und überholte Glaubenssätze aus. Finde den echten Zugang zu dir, und die Welt steht dir offen. Dein Partner wird es dir danken. Na ja – vielleicht. Aber einer wird es dir auf alle Fälle danken: du dir selbst!

Offen und ehrlich

Wir haben verlernt uns mitzuteilen. Den anderen darüber zu informieren, was uns bewegt. Unsere Gefühle zu zeigen, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Unsere Angst und Ängste.

Je nach Elternhaus haben wir bereits in der Kindheit gelernt, unsere Bedürfnisse zu unterdrücken. Uns geräuschlos einer Situation anzupassen fällt uns leichter als unsere Ablehnung auszudrücken. Ein unehrlich freundliches Wort kommt uns leichter über die Lippen als ein authentisches Widerwort.

Wer jahrelang oder gar jahrzehntelang gelernt hat, sich die Befriedigung seine Bedürfnisse zu verkneifen (sich selbst zu unterdrücken), der spürt seine Bedürfnisse irgendwann nicht mehr. Gespräche finden nur noch auf Small-Talk-Niveau statt.

Manche Menschen können gar nicht mehr anders. Es ist keine Absicht oder Trotz, sich nicht über seine Gefühle und Ängste auszutauschen. Sie nehmen sich selbst nicht mehr wahr.

Das Innenleben ist verkümmert. Alles, was in ihrem Leben noch passiert, passiert im Außen. Mit diesen Menschen lässt sich nur schwer emotionale Verbundenheit herstellen, weil sie zu sich selbst keine Nähe mehr herstellen können.

Frei verbunden

Um mit einem Menschen wirklich Nähe herstellen zu können, müssen wir uns ihm angstfrei und aus freien Stücken zuwenden können.

Angstfrei bedeutet, sich einerseits einlassen zu können und andererseits in der Lage zu sein, ohne falsche Schuldgefühle und einem gefühlten Bedürfnis heraus auf Distanz gehen zu können.

Wer Angst davor hat, nicht mehr aus einer verschlungenen Nähe herauszukommen, der meidet sie.

Emotionale Nähe können wir nur dann zu einem Menschen herstellen, wenn wir zu genau demselben Menschen Distanz schaffen können.

Nähe oder Distanz sind in der Regel nur vorübergehende Zustände, die sich aus unseren vitalen Bedürfnissen entwickeln.

Aus dem Zen-Buddhismus stammt das geflügelte Wort vom „frei verbunden“ sein. Im ersten Moment mag es widersprüchlich klingen, weil wir mit Verbundenheit sofort Unfreiheit verbinden. Und gleichzeitig klingt es verlockend.

Wer aber in der Lage ist, sich jederzeit aus freien Stücken auf Nähe einzulassen, der kann auch wieder auf Distanz, ohne Versicherung beim Partner zu hinterlassen oder selbst unsicher zu werden. Es ist eine Frage der Authentizität.

Freiheit bedeutet nicht Beliebigkeit und keineswegs „Distanz“. Freiheit im Sinne einer Beziehung ist innere Haltung und Stärke. Echte freie Verbundenheit ist innig, aber nicht auf ewig.

Wer emotionale Verbundenheit herstellen will, braucht das Vertrauen und die Gelassenheit, dass sie sich einstellt, sobald wir innerlich frei sind.

In einer Partnerschaft darf das auch einmal gegenläufig sein. Im Vertrauen auf die Richtigkeit der wechselhaften Dynamik einer Beziehung können beide Partner damit umgehen.

Um aus freien Stücken zu agieren und zu entscheiden, müssen wir uns auch aus den Verstrickungen mit anderen Personen lösen. Dafür bedarf es nicht unbedingt eine Familienaufstellung.

Wer zwischen den drei Arten von Angelegenheiten zu unterscheiden weiß (bei Alfred Adler in der Individualpsycholgie heißt es Aufgabentrennung), kommt auch ohne therapeutisches Setting weiter.