Eifersucht und Glaubenssätze in Beziehungen

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Glaubenssätze – Was ist das eigentlich?

Der Begriff „Glaubenssätze“ stellt die Summe aller unbewussten und bewussten Überzeugungen eines Menschen dar. Dazu gehören auch unsere Einstellungen, Erwartungen und Meinungen.

Sie werden in Gesprächen mit Freunden und Fremden ausgesprochen („Wenn du wissen willst, was ich darüber denke: …“) oder wir behalten sie für uns beim Nachdenken und bemerken sie kaum. Hier tauchen sie als formulierte Gedanken auf und lassen uns manchmal im Denkzwang nicht los.

Sie können aber auch völlig unbemerkt bleiben, solange wir uns nicht mit ihnen bewusst beschäftigen. Mit bestimmten Fragen lassen sie sich ans Licht bringen und dann bearbeiten.

Mit Fragen wie beispielsweise „Was bedeutet es für dich, wenn dein Partner eine Affäre hat?“ oder „Wie sollte es sein?“ lassen sie sich bewusst machen.

Glaubenssätze sind Gedanken über Welt, die anderen und sich selbst.

Wozu?

Sie dienen dazu, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden, Zusammenhänge und Ursachen zu erklären (z.B. „Das liegt bei uns in der Familie.“), Handlungsweisen zu rechtfertigen („Ich muss auch mit anderen Frauen schlafen können, sonst fühlte ich mich in meiner Freiheit eingeengt“) oder setzt uns Grenzen, die uns beispielsweise eine gewisse Sicherheit geben („Ich darf mich nicht wehren“)

Glaubenssätze geben uns Sicherheit, Orientierung und engen uns ein.

In ihrer Gesamtheit sind Glaubenssätze das innere gedankliche Milieu eines jeden. Sie verantworten unser Verhalten, unsere Verhaltensmuster und körperliche Reaktionen. Da alles Denkbare gedacht werden kann und der Mensch ein immenses Lernpotential mit auf die Welt bringt, entstehen Abertausende einzigartige Individuen mit ihren eigenen Glaubenssätzen (Überzeugungen und Meinungen) und Kombinationen.

Cluster von Glaubenssätze/Glaubenssatz-Systeme

Auf der anderen Seite passen die Glaubenssätze eines jeden einzelnen gut zusammen. Eine fremdenfeindliche und eine fremdenfreundliche Einstellung kommen selten in einer Person zusammen.

Auch die Überzeugung, dass man in der Kindererziehung streng sein muss, damit aus dem Nachwuchs etwas wird, verträgt sich nicht mit einer Wird-Schon-Werden-Haltung. Sätze wie „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ oder „Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“ hört man eher aus dem Mund eines streng erziehenden Menschen.

Folglich kommen in einer Person Glaubenssätze zusammen, die zusammen passen. Sie bilden eine Art Cluster. So entstehen Typen und Charaktere, deren Glaubenssätze sich ähneln.

Das Potential, Glaubenssätze von anderen Menschen, einer Peergruppe oder der Familie zu übernehmen ist groß und macht unsere geistige Einzigartigkeit aus. Da aber nicht alle Glaubenssätze und Überzeugungen zusammenpassen, bilden sich typische Cluster, Charaktere, die wir von überall her kennen: Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben bestimmte Gedanken und Wünsche und Vorstellungen von ihrem Leben. Bestimmte Typen haben bestimmte Vorstellungen über ihr Leben, wie es sein soll.

Diese Vorstellungen sind relativ konstant und bleibe auch konstant. Durch die ständige Wiederholung in Gesprächen bestätigen wir uns in unserer gemeinsamen Meinung, die sich innerhalb einer Gruppe nur in Nuancen unterscheiden.

Widersprüchlichkeit

Zwar versammeln sich in uns Aussagen, die zusammenpassen – aber es gibt immer ein paar Ausreißer. Meinungen und Überzeugungen, die so gar nicht zu unserem sonstigen Verhalten und Denken passen. Widersprüchlichkeiten.

So kennen einige das Phänomen, vom Partner absolute Treue zu erwarten und beim ersten Anzeichen von Flirt am Rad zu drehen, aber sich selbst das Recht zum Flirt rauszunehmen.

Oder Menschen, die sich Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben, aber sich für dieses alltägliche Mühsal von Müllvermeidung und -trennung mit Flugreisen in ferne Länder belohnen.

Dabei erleben wir uns selbst nicht als widersprüchlich, denn meistens haben wir eine Erklärung für unser Widersprüchlichkeit zur Hand. Es sind die anderen, die der Erklärung nicht folgen können und den Menschen dann als widersprüchlich erleben.

Glaubenssätze machen uns zu dem, was wir sind: Einzigartig, typisch und widersprüchlich.

Glaubenssätze geben Bedeutung

Glaubenssätze geben einer Sache, einer Situation oder einem Menschen eine bestimmte Bedeutung. Es ist uns immer wichtig, etwas zu verstehen. Etwas passiert um uns herum und wir wollen wissen, warum es passiert. Wie sehen die Wirkung und wollen die Ursache verstehen.

Wenn der Partner fremd gegangen ist, fragen wir „Warum?“. Und hoffen auf eine Antwort, die uns befriedigt oder beruhigt. Und eine Erklärung ist allemal besser als ohne jede Antwort dazustehen. Die Antwort „Aus Abenteuerlust“ ist immer noch besser als „ich weiß nicht, war eher ein Versehen“.

Im ersten Fall haben wir immerhin mit einem Menschen zu tun, der sich zu kennen scheint und der für seine Bedürfnisse einsteht. Der ehrlich ist. Darauf können wir als Partner reagieren: es dulden, ins Gespräch kommen, uns Trennen.

Im zweiten Fall haben wir es eher mit einem Menschen zu tun, der keine innere Stärke mitbringt und dem jederzeit ähnliches wieder passieren kann. Wie kann man darauf reagieren? Enttäuschung zeigen und hoffen, dass es nie wieder passiert.

Wertung, Ursache und Wirkung zuschreiben. Sie geben unserem Handeln eine Logik, Begründung und Wertigkeit und sind zugleich der Motivator für unser Handeln.

Manche Glaubenssätze sprechen wir selbst tagtäglich aus, andere denken wir nur im Stillen vor uns hin, manche schlummern im Hintergrund – und wir sind uns ihrer gar nicht bewusst.

Glaubenssätze sind höchst subjektiv, werden aber von uns Menschen als sprachlich-objektives Abbild „der Realität“ empfunden. Sie lassen sich „runterbrechen“ auf einfache Formulierungen wie „Keiner mag mich“ oder „Mir hört nie jemand zu“.

Nicht der Glauben, sondern das Glauben

Damit man eine Information für wahr hält, muss man sie glauben. Oft macht der Rahmen, in der die Information platziert wird, eine Information glaubwürdig. Die Nachrichten aus den öffentlich-rechtlichen Sendern sind ein Beispiel dafür. Sie sind ein Rahmen, der für uns aus Informationen Wahrheit macht. Fakten.

Informationen, die wir glauben, nennen wir Fakten.

Ob wir eine Information glauben oder nicht, entscheidet sich in Bruchteilen einer Sekunde, ohne dass wir es bemerken.

Manchmal kommt uns eine Information zu Ohr, die wir nicht glauben können. Sie passt nicht so recht zu all den anderen Glaubenssätzen in uns. Wir sind unsicher und müssen überlegen. Wir sagen: „Das kann ich nicht glauben!“ und wir überlegen (mit dem Herzen), ob die Nachricht wahr sein kann oder nicht.

Sobald wir den Satz glauben, bekommt er die Macht absoluter Wahrheit.

Welche Kraft Glaubenssätze haben, soll folgendes Beispiel zeigen. Der Satz oder Gedanke: „Es gibt einen Gott!“ kann man glauben oder nicht. Zunächst einmal ist es nur ein Gedanke, den jeder Mensch so denken und formulieren kann.

Je nach biografischem und kulturellem Hintergrund glaubt man diesen Satz oder glaubt ihn nicht.

Menschen, die den Gedanken glauben: „Es gibt einen Gott!“ führen ein anderes Leben als Menschen, die diesen Satz nicht glauben.

Glaubenssätze als Kommandozentrale

Gedanken und Informationen, die wir glauben, erzeugen Gefühle und jedes Gefühl zieht eine körperliche Reaktion nach sich. Glaubenssätze als subjektive „Wahrheiten“ beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln.

Die „vermutete“ Tatsache (die wir aber felsenfest glauben), dass der Partner fremdgeht, erzeugt das Gefühl von Wut und Hilflosigkeit. Körperlich reagieren wir mit Anspannung, Enge in der Brust und beschleunigtem Puls.

Wenn wir denken und ganz fest glauben, dass unser Partner, den wir lieben, uns nicht mehr liebt, dann werden wir traurig und unser Körper ganz schwer.

In ihrer Gesamtheit sind unsere Glaubenssätze ein inneres dynamisches Gerüst. Eine Art Steuerzentrale für unser Leben. Sie dienen dazu, die Welt zu verstehen und zu erklären und im Sinne eines „Überlebenskampfes“ auf sie angemessen und passend zu reagieren.

Glaubenssätze passen zu unserem Leben wie auch das Leben zu unseren Glaubenssätzen passt. Wenn wir uns in unserem Leben „einrichten“, dann innerlich und äußerlich.

Dinge und Umstände, die nicht in unser Leben mit unseren Überzeugungen und Meinungen reinpassen, werden entweder ignoriert oder (teils gewaltsam) bekämpft. Glaubenssätze sind die Blaupause für unser Handeln, egal ob in gesellschaftlicher Hinsicht oder in unseren Beziehungen.

Wenn sich unsere Umgebung und unser inneres gedankliches Milieu ohne zu Rumpeln verzahnen, führen wir ein zufriedenes Leben. Wir mit unseren Überzeugungen und das Leben um uns herum gehen Hand in Hand.

Doch wehe, es passiert etwas, was sich nicht mit unseren Glaubenssätzen vereinbaren lässt. Wenn wir der Meinung sind, dass der Partner weniger mit seiner Kollegin flirten sollte, der Lebensgefährte weniger Sozial-Media-Beiträge posten und die Freundin weniger misstrauisch sein.

Jede „mehr“ und jedes „weniger“ ist ein Hinweis darauf, dass das Verhalten unserer Partner nicht mit unseren Glaubenssätze zusammenpasst.

Wo kommen Glaubenssätze her

Glaubenssätze sind das Ergebnis unserer frühkindlichen Auseinandersetzung mit unserer Umwelt: mit der Familie, der Verwandtschaft, mit den Freunden, der Kita und mit der Schule. Mit Dingen, die uns passieren und die uns guttun, und mit Dingen, die uns weh tun.

Die Erfahrungen, die wir machen, werden in Form von kommentierenden Gedanken begleitet. Wer in seiner Kindheit Eltern hatte, die nicht viel Zeit hatten, hatte vielleicht immer wieder den Gedanken, dass er nichts wert ist, damit der Vater oder die Mutter sich mit dem Kind beschäftigen.

Menschen, bei denen ein solcher Glaubenssatz durch das Hirn wabbert, können kaum ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln.

Kindern, die ihren Eltern immer wieder nachlaufen mussten, um Kontakt zu haben, entwickeln in ihren späteren Beziehungen eine Trennungsangst. Immer auf dem Sprung und Eifersüchtig vor Angst, den Partner zu verlieren.

die sich wiederholen, verfestigen sich als Überzeugungen und Glaubenssätze.

Glaubenssätze sind formulierte Erfahrungen.

Meilensteine: Auch in unseren ersten Beziehungen machen wir Erfahrungen mit dem anderen oder gleichen Geschlecht. Gute wie schlechte. Erfahrungen, die Sätze werden: „Männer denken immer nur an das eine!“ oder „Männern darf man nicht zu viel Freiheit geben, sonst sind sie weg!“. Sind die Beziehungen nur kurz, kommt vielleicht der ein oder andere Mensch auf die Idee zu denken: Ich bin nicht beziehungsfähig!“

Mit diesem Glaubenssatz im Nacken geht man natürlich sehr sehr vorsichtig in die nächsten Beziehungen.

und die unsere weiteren Beziehungen beeinflussen.

Glaubenssätze sind Meinungen und Überzeugungen über uns selber und die Welt, die wir in der Kindheit, Jugend, durch Erlebnisse und Erfahrungen oder auch von anderen Menschen übernommen haben. Sie sind wichtig, weil sie für unseren Verstand die Welt überschaubarer und einfacher machen.

In erster Linie geht es dabei um sein Selbstbild, doch auch um jenes der Außenwelt. Glaubenssätze haben nämlich große Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Realität. Sie sorgen also dafür, welche Wertungen und Interpretationen ein Mensch seinen Lebensereignissen zuschreibt.